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Foto: "Hobbit"-Hauseingang zum Eisenhofer Haus

NEUSEELAND NEWS ENTDECKT ÖSTERREICHISCHES "HOBBIT"-HAUS

Architekt Fritz Eisenhofer: Für Hundertwasser mußte das Gebäude ein Kunstwerk sein, ich sehe das Gebäude primär nicht von aussen, sondern von innen

Eine Lebensgeschichte wie aus einem spannenden Roman, architektonische Kunstwerke für die Ewigkeit - Friedrich Eisenhofer hat wahrlich Größe als Mensch, wie als Architekt. Der ursprünglich aus Österreich stammende 86jährige lebt bereits seit 1953 in Neuseeland. Von den alpenländischen Wurzeln sind nur noch das Interesse an Europa, die Liebe zum österreichischen Essen und die Erinnerungen an eine ereignisreiche Vergangenheit vorhanden.

Friedrich Eisenhofer wurde 1926 in Spittal als zweites Kind geboren. Als Friedrich Eisenhofer mit 10 Jahren die Grundschule beendet hatte, zog die Familie nach Wien. Dort nahmen der junge Fritz und seine Schwester Ingrid Reitunterricht. "Am schönsten waren unsere Sonntagsausritte  durch den Praterpark in Wien!" Friedrich studierte dann Ingenieurwesen in Klagenfurt. Mit 17 Jahren hatte Fritz sein Ingenieurs-Diplom in der Tasche und arbei-tete in Wien für Siemens. Er bekam eine Stelle in der Bauabteilung, konnte bei den Großeltern wohnen und genoß seine Jugendzeit. Als jedoch die russische  Besatzung näher rückte, wollte er so weit wie möglich weg und bewarb sich mit einem Freund zusammen bei der Marine als Kadett. "Bei der Prüfung zum Offizier war mein Kopf dann auf einmal total leer und ich brachte keine Antwort zustande. So wurde ich nur als einfacher Matrose akzeptiert."

Nach einem Trainingsaufenthalt in Norddeutschland wurde er als Minensucher klassifiziert, doch  das Schiff wurde bei einem Luftangriff zerstört. Friedrich wurde dann als Landsoldat an die deutsch-holländische Grenze versetzt. "Nach ein paar Monaten war der Krieg dann endlich zu Ende. Wir wurden abkommandiert und schliefen in Kuhställen und Zelten. Die Österreicher behaupteten, Deutschland habe sie bereits 1938 besetzt und sie hätten nie dem Hitler-Regime angehört. Bei der Rückkehr nach Österreich wurden wir jedoch beschuldigt, für den Krieg verantwortlich zu sein. Es war nicht einfach."

Durch einen Freund bekam er schließlich eine Stelle als Architekt in Klagenfurt angeboten. Sein Freund ermutigte ihn, über Aufbaustudiengänge nachzudenken. Seine Mutter hatte Fritz von Kindesbeinen an für Reisen begeistert, ihm viele Bücher gekauft. "Durch all meine negativen Erfahrungen im Krieg, war mein Reisefieber nun unbegrenzt. Ich wollte einfach nur noch weg - weg aus Österreich, weg soweit es geht", beschreibt er seine damaligen Gefühle.  Doch alle Möglichkeiten auf einen Job im Ausland zerschlugen sich zunächst. Schließlich heuerte ihne eine österreichische Baufirma als Teppichleger an, die gerade Fertighäuser in Australien baute. "Das war meine Chance weg zu kommen, meine Chance auf eine Arbeitserlaubnis im Ausland. Die Firma baute damals einige hundert Häuser nördlich von Sydney. Die ersten paar Monate habe ich tatsächlich mit dem Hammer in der Hand gearbeitet, doch schnell bekam ich mein eigenes Büro und zeichnete schließlich Pläne für neue Wohn-Einheiten."

Als sein Arbeitsvertrag zu Ende ging suchte eine andere österreichische Fertigbaufirma Personal für den Bau von Häusern in Neuseeland, an der Kapiti Küste in der Titahi Bay nördlich von Wellington. "Ich war hier für die Einteilung der Häuser auf die verschiedenen Grundstücke zuständig, überwachte die Erdarbeiten und erarbeitete ein Bonussystem für die Arbeiter. Dies beschleunigte die Arbeit und die Effizienz des Bauvorhabens und jeder war happy damit!", beschreibt der Baufachmann seine Arbeit nach der Ankunft 1953 in Neuseeland. Nach dem zweiten Weltkrieg war der Wohnraum knapp, viele

Familien teilten sich Wohnungen, da nicht genügend Platz vorhanden war. In der Titahi Bay sollten 500 neue Häuser errichtet werden, made in Europe. Die Pläne stammten von  neuseeländischen Architekten, vorgefertigt wurden die Häuser allerdings in Österreich. Dann wurden sie verschifft und von 170 österreichischen Arbeitern in der Titahi Bay zusammen gebaut. "Ich erinnere mich, es war fast wie eine österreichische Invasion in unserer kleinen Gemeinde", erzählt Helen Eisenhofer lachend. Sie lernte ihren Fritz zu dieser Zeit kennen. Auch ihre Schwester heiratete später einen Österreicher.

Die Titahi Bay sollte sich von einem einsamen Strandabschnitt mit ein paar Ferienhäuschen zu einer Gemeinde entwickeln. Fünf fertige Häuser pro Arbeitswoche, ein Haus am Tag - das war das vorgegebene Ziel der Bauherren. "Die Konditorei meiner Eltern war ein beliebter Treffpunkt für die jungen österreichischen Männer", erinnert sich Friedrich's spätere Frau Helen. "Sie war bis in die späten Abendstunden geöffnet und wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, war sie voll mit Österreichern. Einige Männer beknieten meine Mutter, sich eine Kaffeemühle anzuschaffen, was sie dann auch tat. So wurden meine Eltern, die ersten Kiwis, die in Wellington frischen Kaffee ausschenkten. Vorher trank man nur eine Art Kaffee-Essenz, grauenvoll", erinnert sich Helen Eisenhofer und lacht.

Die Österreicher selbst bekamen bei der Integration große Unterstützung von den ansässigen Maori. Die Takapuwahia hatten ihre Pa, ihre Siedlung, direkt neben dem Lager und nahmen die Ausländer unter ihre Fittiche. Die gemeinsame Liebe beider Nationen zu Musik und Tanz ließ die Maori und die Österreicher eng zusammen wachsen. Gemeinsame kulturelle Aufführungen, Tanzgruppen und später sogar einige eigens initiierte kulturelle Touren durch Österreich und Neuseeland resultierten aus der engen Freundschaft.

Die Mehrheit der Österreicher blieb, heiratete Kiwi-Frauen oder holte ihre Familien aus Österreich nach Neuseeland. Vielen lagen erfolgreiche Karrieren in Neuseeland zu Füssen - nicht nur in der Bauindustrie. "Unzählige Österreicher wechselten einfach den Beruf, wurden Gastronomen. Es gab ja nur unser damals recht unspektakuläres Kiwi-Essen und Chinesen. Mit ihrer guten österreichischen Küche haben sie Neuseeland wirklich bereichert!", resümiert Helen die "Invasion der Titahi Bay".
Für Fritz Eisenhofer war es keine Sekunde Überlegung mehr wert. Er hatte sein neues Zuhause gefunden und heiratete tatsächlich seine Helen, wurde ein gefragter  Architekt in Neuseeland. Er zeichnete viele Häuser für seine österreichischen Freunde und für viele angesehene Kiwis. "Nachdem die Häuser in  der Titahi Bay fertiggestellt waren, fand ich Arbeit beim neuseeländischen Departement of Housing  im Ministerium. Dann lernte ich meinen späteren Geschäftspartner Erwin Winkler kennen und etablierte mein eigenes Architekturbüro."

Foto: Kollage des Eisenhofer-Anwesens

Fritz plante nicht nur seine vier eigenen Häuser, sondern die vieler Neuseeländer und einige öffentliche Gebäude. "Bei unseren eigenen Häusern habe ich immer herumexperimentiert - mobile Dächer für Innenhöfe, Häuser an Steilhängen, der Bau in Erdhöhlen." 

"Meine Ideen passten oft nicht in die Köpfe vieler konservativer Neuseeländer. Ich wollte einfach weg von den viereckigen Schachteln, doch in den 50ger Jahren war es schwierig, die Menschen davon zu überzeugen. Für mich war es wichtig, in einem Haus eine Art Verbindung zwischen Innen und Aussen zu kreieren, offenes Wohnen sozusagen. Es dauert lange, bis meine Ideen den Durchbruch schafften!"

Einige Pläne wurden nie verwirklicht, wie beispielsweise eine "Dome-Community", mit Einzelkuppeln als Wohnhäusern, gemeinsamen Gartenanlagen, Tennisplätzen und einer Gemeinschaftsbücherei. "Man könnte sich dann Autos teilen, ein Allradfahrzeug, ein Familienauto, einen Kleinwagen für die Stadtfahrten. Und ein Rasenmäher zum Daraufsitzen würde für alle genügen. Das ist doch ge-spartes Geld - Güter-sharing, sozusagen."

Man könnte Friedrich Eisenhöfer heute fast schon mit dem berühmten Friedrich Hundertwasser vergleichen - nicht nur wegen der Namensverwandtheit und der glei-chen Herkunft. Beide interessierten sich für Häuser, die in die Erde gebaut werden. So zeigen die Pläne, die Friedrich Hundertwasser damals für den Bau des Te Papa Museums einreichte, ein "earth sheltered building" und neben den berühmten Hundertwasser-Toiletten in Kawakawa baute sich der österreichische Künstler ausserhalb von Kawakawa sein Wohnhaus in die Erde. Auch Friedrich Eisenhofer lebt in einem Dome, einer riesigen Hauskuppel, die er in die Erdhügel an der Küste der Kapiti Coast errichtet hat.

"Unser Wohnhaus hat einen eigenen Dome, den Gästeflügel und den Hauptdome, den ich in die bestehende Dünenlandschaft hineingebaut habe. Rein von der Statik her ist das sehr kosteneffizient und stabil. Der Vorteil ist auch, wir brauchen keine Heizung, im Sommer kühlt die Erde und schützt vor der Wärme, im Winter speichert die Erde die Wärme und gibt sie an den Wohnraum ab. Früher war es allerdings auch einfacher, eine Baugenehmigung für derartige Gebäude zu bekommen. Heute sind die Councils wesentlich strikter."

Ein riesiger Teich und wilder Gartenbewuchs rankt sich die Kuppelwände im Wohnzimmer hinauf. Der Übergang zur Küche ist eine hervorragende Designer-Theke, die fließend in abgesetzte Treppestufen zum Herd führt. Riesige Fenstergläser geben den bezaubernden Blick auf das Meer frei. Freistehende Wandkonstruktionen und Gallerien grenzen die einzelnen Zimmerbereiche und den Eingang ab und wohl konstruierte und verzierte Rampen schmiegen sich an die runden Kuppelwände und führen auf die unterschiedlichen Wohnebenen. Ein wahrlich aussergewöhnliches architektonisches Meisterwerk! "Die meisten Menschen hier in Neuseeland verstehen nicht, warum man ein schönes Haus baut und es dann mit Erde zuschüttet. Die Ansichten sind eben verschieden." Friedrich Eisenhofer schmunzelt. "Für mich muss ein Haus vor allem funktional sein!"

Gewisse Paralellen sind offensichtlich, sieht sich Friedrich Eisenhofer als ein zweiter Hundertwasser? "Nein, nein, Hundertwasser war ein Künstler, kein Architekt. Für ihn musste das Gebäude ein Kunstwerk sein, ich als Architekt sehe das Gebäude primär nicht von aussen, sondern von innen. Es zählt also nicht wie bei vielen Häusern in Europa die Fassade hinter der nur die Räume versteckt sind. Für mich muss das Interieur effizient sein, ich möchte kein Material verschwenden, keinen Platz ungenutzt lassen und auch mit geringen Baukosten hohe Resultate erzielen. Ich brauche also nicht den Wow-Faktor, wenn man vor meinen Häuern steht", resümiert der Architekt.

Ein gewisses Staunen bleibt jedoch wahrlich nicht aus, wenn man vor Fritz's und Helen's Haus an der Kapiti Coast steht. Wie eine Hobbit-Höhle sieht der Eingang zu ihrem Dome-Haus aus. Was sagt der österreichische Architekt zu den Plänen für ein neues Hundertwasser-Haus nach den letzten Originalskizzen des österreichischen Künstlers in Whangarei? "Warum nicht, wenn die Pläne vorliegen und man das bestehende Gebäude verschönern kann. Ich sehe da auch vor allem den Zweck, einen attraktiven Magneten für nationale und internationale Kunstfans und Hundertwasser-Anhänger zu schaffen. Das kann sicherlich nicht verkehrt sein!"

Friedrich Eisenhofer entwirft auch in seinem stolzen Alter noch Pläne an seinem Zeichentisch.  Während Helen das aufregende Leben ihres Mannes in einem Buch verewigt, steht der Architekt selbst in der Küche und kocht sich Semmelknödel, stellt Palatschinken her oder bereitet einen Kaiserschmarrn zum Mittagessen zu. Der 85jährige hat seine Herkunft und seinen Werdegang bis heute nicht vergessen, auch wenn er inzwischen besser Englisch als Deutsch spricht. Und die einstigen Häuser in der Titahi Bay stehen noch heute und erinnern ihn an die Zeit, in der er als junger Mann nach Neuseeland kam, um ein neues Leben anzufangen. Anja Schönborn

Foto: Von Eisenhofer entworfene Wohnhäuser


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Last updated 29 March 2013


Foto: Der österreichische Architekt Fritz Eisenhöfer

Foto: Teich im Eisenhofer-Haus

Foto: Wohn-Garten im Inneren des Anwesens

Foto: Wohnbereich (alle Fotos diese Seite: Eisenhofer)

Foto: Außen-Ansicht der "Domes"

Foto: Wohnbereich

Foto: Pool mit Holzfeuer