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Foto: Neuseeländisches Kauri-Harz mit jahrtausendealtem Insekt

NEUSEELANDS KAURI-BÄUME: WUNDER DER NATUR

Geschichte und Gegenwart im Matakohe Kauri-Museum Northland

Ihre Wipfel ragen fast bis in die Wolken, majestätisch erheben sie sich weit über das dichte Dach des neuseeländischen Bushwaldes aus Baumfarnen, Palmen und Luftwurzeln. Sie sind die Dinosaurier des Pflanzenreichs, können mehr als 2000 Jahre wachsen und gedeihen, die Kauri-Bäume, neuseeländische Urwaldriesen die ihresgleichen suchen. Auch in der Maori-Mythologie spielen Kauris eine bedeutende Rolle, sie gelten als Urväter aller Lebewesen. Heute sind die Könige des Pflanzenreiches in Neuseeland jedoch rar geworden, stehen nach der massiven Abholzung während der Holzfäller-Ära Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter Naturschutz. Jeder sollte diesen gigantischen Riesen des neuseeländischen Bushwaldes bei einem Urlaub in Aotearoa gesehen haben. Denn Kauri ist ein Stück Neuseeland, Historie, Mythos und biologisches Wunderwerk. Heute gibt es nur noch Bestände im nördlichen Teil des Landes, Northland.

Der 21 Tonnen-Bagger wuchtet den Schlamm und die Erdbrocken aus der metertiefen Grube mitten im Nirgendwo im hohen Norden Neuseelands. Hier standen vor Millionen von Jahren einmal ganze Landstriche voll von Kauri-Wäldern. Auf einmal stößt die schwere Schaufel auf einen Baumstamm - später wird man sein Alter auf 45.000 Jahre datieren. Doch an den Zweigen hängen immer noch grüne Blätter. Mit Mühe versuchen Bulldozer und Bagger gemeinsam, den tonnenschweren Urwaldriesen unversehrt aus dem Boden zu ziehen. "Neuseeland hält hier weltweit einmalige Möglichkeiten bereit. Denn nirgendwo sonst auf der Welt gibt es derart viele, konservierte und uralte Bäume im Erdreich wie im Northland. Direkt neben dem Airport in Auckland liegt eine große Fundstelle mit 220.000 Jahre alten konservierten Kauris", erläutert Dr. Jonathan Palmer, Baumring-Experte und seit 14 Jahren Kauri-Wissenschaftler. Er arbeitet derzeit gemeinsam mit einem Forscherteam im Kauri Museum im Northland.

"Andere Teile der Welt, wie Europa oder Nordamerika wurden während der Eiszeit mit Schnee und Eis gefüllt, da konnten keine weiten Landstriche erhalten bleiben, die meisten Bäume starben. In Neuseeland finden wir weite Regionen im Norden des Landes, in denen überall Sumpf-Kauris im Erdreich verborgen sind. Und deren Alter variiert zwischen 10.000 Jahre und 220.000 Jahre. Das ist einfach einmalig und für uns Wissenschaftler von größter Bedeutung!"

Je weiter der Bagger vordringt, um so mehr Details des Urwaldriesen kommen zum Vorschein. An einigen Stellen sind sogar noch grüne Blätter und grüne Zapfen erhalten, die vor 30.000-45.000 Jahren gewachsen sind. Im Sonnenlicht des 21. Jahrhunderts zerfallen sie ebenso wie die Rinde binnen weniger Minuten zu Staub. Das Holz selbst ist jedoch durch den hohen Harzanteil konserviert und dunkelt später nur leicht nach. Inzwischen ist der 20 Meter lange Stamm des Sumpf-Kauris geborgen und wird mit einem Dampfstrahler grundgesäubert.

Holzschnitzer, Möbelindustrie und Schiffsbauer stehen Schlange - jeder reißt sich nach dem seltenen, teuren und exklusiven Edelholz aus Neuseeland. Erst vor wenigen Jahren kaufte ein europäisches Kreditinstitut einen massiven, besonders schön gemaserten Kauri-Stuhl für seine Eingangshalle. Früher verwendete vor allem die deutsche Farbenindustrie große Mengen an Kauri-Harz zur Herstellung ihrer Lacke. Später wurde das Harz durch synthetische Stoffe ersetzt. Neben dem kommerziellen Nutzen der Sumpf-Kauris liefern die uralten Urwaldriesen jedoch auch einen wichtigen Beitrag zur Klimaforschung von heute.

Foto: Kauri-Experte Dr. Jonathan Palmer sondiert eine Baum-Sektion im neuseeländischen Matakohe Kauri Museum, Northland

Jahrtausende alte Geschichte

Die Zeit des römischen Reiches, das Zeitalter der Pyramiden Ägyptens, der Neandertaler und der letzten Eiszeit - diese Ära der Erdgeschichte erscheinen im Vergleich zum Leben eines Kauri-Baumes, wie die Kinderstube der Entwicklung auf unserem Planeten. Die Geschichte der mächtigen Kauris beginnt bereits vor 150 Millionen Jahren, als das Gondwana Land zerbrach und die einzelnen Erdteile auseinander drifteten. Neuseeland blieb isoliert, abgeschirmt von allen äußeren Einflüssen und brachte seine ganz eigene Vegetation hervor. Die Vorfahren aller Kauris lebten im Zeitalter der Jura vor 200 Millionen bis 135 Millionen Jahren. Die heutigen Kauri-Wälder in Neuseeland sind die Nachkommen der einstigen gewaltigen Urwaldriesen, die wissenschaftlich bestätigt bis zu 65 Millionen Jahre in die Landesgeschichte zurück reichen.

Man untersuchte altes Holz und Harze aus archäologischen Ausgrabungen und die Ergebnisse bestätigten, dass die Kauris in einer Zeit wuchsen, in der in Europa Steinzeitmenschen und Mammuts lebten. Die Kauri-Stämme, die heute in Neuseeland geborgen werden, sind bis zu 220.000 Jahre alt! "Für uns Wissenschaftler hier in Neuseeland, spielen die Kauris eine entscheidende Rolle. Erst kürzlich haben wir durch Zufall Proben von einem der Holzhändler bekommen und konnten diese per Radiokarbonmethode auf ca. 14.000 Jahre datieren. Das klingt im Vergleich zu den richtig alten Kauris nicht besonders spannend, war für uns jedoch ein absolutes Highlight, denn aus diesem Zeitalter, dem sogenannten "Jüngeren Dryas" gibt es kaum Hinweise auf Vegetation und Klima in anderen Teilen der Erde", erklärt Dr. Jonathan Palmer enthusiastisch.

Gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Gerd Heller von der GFZ Potsdam ging er zurück zum Fundort, konnte nach einer Sommerdürre 29 weitere Exemplare von Sumpfkauris aus der gleichen Epoche finden - ein wahrer Schatz! "Wir beschäftigen uns im Institut in Potsdam bereits seit über 30 Jahren mit der Altersbestimmung von Bäumen, um so interessante Details über den damaligen Lebensraum, das Klima und die Temperaturentwicklungen unterschiedlicher Perioden herauszufinden, die uns Aufschlüsse auf die Klimaentwicklung unserer Zukunft geben können", erklärt Gerd Heller. "Das Jüngere Dryas ist jedoch fast gänzlich unerforscht, obwohl es doch eines der drastischsten Klima-Events unseres Planeten war, ein drastischer Kälteumschwung. Binnen kürzester Zeit, in nur zehn Jahren, sank die durchschnittliche Temperatur auf der Erde um 7 bis 8 Grad Celsius. Das ist massiv. Und dieser drastische Kälteeinfluss geschah nicht nur rasend schnell, sondern dauerte 1000 Jahre an!

Diese Bäume sind deshalb eine wahre Goldgrube und geben uns hoffentlich mehr Aufschluss darüber, was in dieser Zeit vor 10.000 bis 15.000 Jahren auf der Erde passiert ist." Die Untersuchung der geborgenen Sumpf-Kauris und ihre chemische und physikalische Auswertung gibt weitere Details über Sonneneinfluss, Wachstum, Wasservorkommen und andere Faktoren preis, könnte den Forschern nun helfen, auch ein besseres Bild für künftige Klimaveränderungen auf der Welt zu zeichnen.

Foto: Reste eines Kauri-Dammes im nördlichen Neuseeland

Biologie und Natur der Giganten

Der Kauri, biologisch auch Agathis Australis genannt, ist der größte, älteste und berühmteste Baum Neuseelands. Diese Gattung, die den Fichten und Kiefern zugehört, existiert weltweit nur in Neuseeland. Die noch verbliebenen Kauri-Wälder stehen in den subtropischen Regionen der Nordinsel zwischen dem Northland, der Region nördlich von Auckland und ziehen sich südlich bis auf die Höhe Hamiltons. Der Bewuchs des langsam wachsenden Nadelbaums gleicht auf den ersten Blick eher Laub als Nadeln. Junge Kauri-Bäume werden "Rickers" genannt. Erst mit 25-30 Jahren werden die Hartholzbäume geschlechtsreif und beginnen, in männlichen und weiblichen Zapfen Samen zu bilden. Die Zapfenbildung dauert weitere zwei Jahre.

Sie verbleiben in ihrer "Jugendform" bis sie etwa 50 Jahre alt sind. Dann erhalten sie ihre typische Gestalt mit dem langen unbewachsenen Stamm, den tiefen Sinkwurzeln und der breiten Krone. "Kauris sind wunderbare Holzlieferanten und zeigen in meinen Augen auch heute noch großes Potential für eine Massenproduktion. Viele monieren, dass Kauris zu langsam wachsen würden, doch laut unserer Ergebnisse und unseres Wissens, können sie in 50 bis 80 Jahren einen Stammdurchmesser von etwa einem Meter erzielen. Das ist alles andere als schlecht", gibt Dr. Jonathan Palmer zu bedenken. Allerdings sei die Zeitspanne für das Samensammeln nur in der letzten Februarwoche bis zum ersten März hin möglich. Dann müssten die Samen noch im gleichen Jahr im Herbst in Baumschulen keimen, damit man Erfolge bei der Nachzucht der Kauri erziele. Die einzige Gefahr sei PTA, eine Pilzerkrankung der Kauris, gegen die man mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen vorbeugen könne.

Foto: Neuseeländisches Kauri-Holz im Überfluß in einer Sägemühle im frühen Auckland

Traurige Epoche der Kauri

Das erste Mal wurden Kauris 1772 von dem französi-schen Entdecker Marion de Fresne erwähnt. Als die ersten europäischen Siedler nach Neuseeland kamen, fanden sie in den nördlichen Regionen der Nordinsel geschätzte 1.200.000 Hektar Kauri-Wälder. Bis heute verblieben nur noch 4.000 Hektar des ursprünglichen Waldes, der Rest fiel den Sägen der Holzfäller und der Holzproduktion zum Opfer oder wurde vernichtet, um Platz für Farmland zu schaffen. Die ersten Kauris, die Ende des 17. Jahrhunderts  gefällt wurden, waren einzelne, große junge Rickers, die in Meeresnähe wuchsen. Ihre Stämme hatten einen hohen Wert, weil sie perfekt die defekten Masten und Holme der Segelboote ersetzen konnten. Im November 1820 verließ dann die erste Exportfracht mit 98 Kauri-Stämmen auf der HMS Dromedary Neuseeland. Die Berühmt- und Beliebtheit des qualitativ hochwertigen, fein gemaserten, makellosen Holzes mit seinen gigantischen Ausmaßen stieg weltweit rasant an.

Die Holzfäller fielen jetzt regelrecht in Horden in die Wälder ein und sägten gezielt ganze Landstriche von Kauris ab, um den steigenden Bedarf zu decken. Immer neue Maschinen wurden entwickelt, um die tonnenschweren Lasten der gefällten Stämme transportieren zu können. Etwa 3000 Dämme wurden im 19. und 20. Jahrhundert in Neuseeland aus Kauri-Holz errichtet, um die Stämme in großem Stil aus den abgelegensten Gebieten flussabwärts zu treiben. Einer der größten steht noch heute auf Great Barrier Island. Diese ausgetüftelten Gebilde wurden ohne Berechnungen oder Pläne errichtet. Sie waren eine wahre Meisterleistung der Ingenieurskunst, mussten sie doch Tonnen von Wasser und Kauri-Stämmen standhalten, die mit unglaublicher Kraft hindurch schnellten, sobald der Damm geöffnet wurde.

Kauri wurde bei Tischlern und Schiffsbauern schnell zum bevorzugten Holz auch auf dem einheimischen Markt. Es war beständig, haltbar, geradlienig und hatte durch die fehlenden Seitenäste am Stamm keine Knoten und Astlöcher. Einzeln oder zusammen gebunden trieben die Stämme bis ins Meer. Von dort aus brachten Logger und Flößer sie dann in die Freemans Bay nach Auckland. Hier wie auch auf der Coromandel Halbinsel entstanden um 1830 die ersten großen Sägewerke. Sie waren zunächst von Wasserkraft angetrieben, später von Dampf. Es wird geschätzt, dass bis zur Jahrhundertwende durchschnittlich 236.000 Kubikmeter Kauri pro Jahr in den Sägewerken landeten. "Geschätzte 97 Prozent der ursprünglichen Kauriwälder Neuseelands waren bis dahin gerodet. Das ist wirklich eine traurige Zahl. Der gesamte alte, voll ausgereifte Wald war verschwunden", erklärt Dr. Jonathan Palmer vom Kauri-Museum im Northland.

Foto: Ein neuseeländischer Kauri-Riese wird per Hand in Sektionen zersägt

Ausschlachten der Urwaldriesen

Neben der Verwendung des Kauri-Holzes, war auch das Harz der Bäume beliebt und erzielte Spitzenpreise. Es wurde hauptsächlich zur Herstellung von Farben und Lacken verwendet. Zwei Methoden waren bereits damals üblich, um an das begehrte Produkt zu gelangen. Männer kletterten die gewaltigen Stämme der Urwaldriesen hinauf, um in der Krone nach bereits verheilten Wunden und außen hängenden Harzklumpen zu suchen. Teilweise wurden die Bäume auch angeritzt und “ausgeblutet”. In einem Jutesack wurde der Saft des Baumes, das Harz, gesammelt bevor es hart wurde. Dieser Prozess bedeutete für viele Kauris ein frühes Absterben.

Zudem gab es die so genannten “Gum digger”, Siedler, die nach fossilem Kauri-Harz, dem Amber gruben. Über die Jahrtausende waren die herunter gefallenen Harze im Boden konserviert worden. Dieses Harz liegt wenige Zentimeter bis einige Meter tief im Boden und kann von Haselnussgröße bis zu Kugeln, die über 30 Kilo wiegen, jedes Gewicht erreichen. Besonders die eingewanderten Dalmatier aus Kroatien verrichteten diese schweißtreibende Arbeit und lieferten harte Klumpen in rot, gelb, orange und schwarz an die weiterverarbeitende Industrie. 1890 waren rund 20.000 Gum-Digger im Land. Der älteste in Neuseeland ausgegrabene Harzklumpen ist über 175 Millionen Jahre alt.

Fast 150 Jahren florierte der Handel mit dem Kauri-Harz aus dem Northland Neuseelands und brachte der Industrie etwa 10,8 Millionen Euro ein. Auckland hielt hierbei weltweit eine Monopolstellung. Verwendet wurde das Harz vor allem in Edellacken, produziert in Amerika, England und Deutschland.

Die Kehrtwende

Im 20. Jahrhundert reagierte die neuseeländische Regierung schließlich auf den zunehmend öffentlichen Druck. Zwar ging das Abholzen der Kauri-Wälder ohnehin zurück, doch die Holzwirtschaft wurde extensiv weiter betrieben. Am 26. Februar 1973 trat schließlich das gesetzlich verankerte Abholzungsverbot in Kraft, eine Jubelstunde für die Naturschützer.

Gleichzeitig begann die Regierung neue Kauri-Bäume anpflanzen zu lassen. In eigenen Baumschulen zog das Departement of Conservation die Urwaldriesen als winzige Zöglinge nach. Mutige Kletterer wagen sich im Zeichen des Naturschutzes in die Kronen der noch verbliebenen gigantischen Kauris hinauf, um deren Samen zu sammeln noch bevor die Zapfen abfallen. Sie dürfen kein Unkraut enthalten und müssen eine Mindestgröße erreicht haben, damit sie erfolgreich gesät werden können. Wächst das Saatgut an, können die Jungpflanzen im Juni von freiwilligen Helfern in den bereit gestellten Waldflächen eingesetzt werden. In den letzten 10 Jahren konnte beispielsweise die Organisation “Kauri 2000” bereits über 23.000 Setzlinge an 33 Stellen auf Coromandel eingraben.

„Wir denken, dies ist eine wunderbare Möglichkeit, den kleinen verbliebenen Anteil von Kauri wieder aufzustocken“, erklärt Dr. Jonathan Palmer. Auch das Kauri-Museum selbst möchte in den kommenden Jahren die zum Museum gehörigen Areale mit bis zu 4500 Kauri-Bäumen aufstocken. „Im Zuge des gesamten Forschungsprojektes ging es uns darum als Museum, nicht zum vermehrten CO2-Ausstoss und somit zur Klimaerwärmung beizutragen. Uns ist es auch tatsächlich gelungen, als erstes Museum Neuseelands karbonfrei zu operieren und dafür zertifiziert zu werden. Doch neben passivem Licht durch eingesetzte Röhren, Energiesparlampen, einer geplanten Solaranlage und anderen Energiesparmaßnahmen, müssen wir momentan immer noch Karbon-Kredite der umliegenden Region einkaufen, um wirklich CO2-frei operieren zu können. Wenn allerdings unser Wald in etwa zehn oder 15 Jahren erst einmal groß genug gewachsen ist, sind wir wirklich autark und zu 100 Prozent karbonfrei, denn dann produzieren unsere eigenen Kauris unsere Karbon-Kredite und liefern den Besuchern des Museums ein positives Beispiel für die Kauri-Erhaltung von heute!“

Auch immer mehr deutsche Touristen begeistern sich für die Wiederaufforstung mit Kauris. Mit einer Spende von 15 Dollar (ca. 9 Euro) bekommt man beispielsweise auf Coromandel seinen eigenen Kauri gepflanzt, für weitere fünf Euro sogar noch ein persönliches Namensschild dazu. „Warum nicht als Erinnerung zur Geburt jedes Kindes einen Kauri pflanzen, der uns Sauerstoff gibt und uns die nächsten Jahrtausende überdauern wird?“, so der Organisator der Stiftung.

Phänomen der Kauri-Konservierung

Die Rotorblätter des Hubschraubers dröhnen kilometerweit in der schwülen Sommerluft. Langsam und mit viel Geschick hebt sich der Helikopter mit der tonnenschweren Last in die Höhe. Der uralte konservierte und aus dem Sumpf ausgegrabene Kauri-Stamm wird aus dem Niemandsland bis zur nächsten großen Straße ausgeflogen und dort auf einen Tieflader gewuchtet. Durch das Abholzungsverbot ist die holzverarbeitende Industrie Neuseelands von den über Jahrtausende im Boden konservierten Sumpf-Kauris abhängig, denn das ist heute ihre einzige Quelle, um an das begehrte Edelholz zu gelangen.

Der Begriff “Swamp-Kauri” kommt jedoch nicht davon, dass die Bäume in Sümpfen gewachsen sind. „Swamp Kauris“ sind uralte Stämme die vor Jahrtausenden im Sumpf versanken und dort konserviert wurden. Doch wie gelangen derart viele Kauris unter die Erde und warum sind sie nicht längst verwest? Nachdem die Stämme in manchen Sümpfen alle in eine Richtung liegen, deutet das auf ein Erdbeben mit einhergehendem Vulkanausbruch hin. Schwere Stürme, Tsunamis oder auch Meteoriteneinschläge könnten als Ursachen für die Verwüstung anderer Kauri-Wälder in Frage kommen. Denn in einigen Regionen liegen die Bäume in alle Richtungen verstreut. Auch die letzte Eiszeit könnte eine Rolle gespielt haben dafür, dass ganze Kauri-Wälder abstarben. Von den Hängen rutschten die Stämme dann in die Ebene, wo sie mit Schlacke aus den Flüssen und dem Druck nachfolgender Erdrutsche verschüttet und unter Sand im nahezu wasserundurchlässigen Lehmboden bestens konserviert wurden.

Mit diesen Theorien beschäftigen sich auch Wissenschaftler wie Dr. John Ogden oder Dr. Jonathan Palmer vom Kauri Museum: „Zwei der Theorien haben sich mehr oder minder bis zum heutigen Tage bestätigt. Nicht alle Kauris starben zur gleichen Zeit, wir finden in bestimmten Arealen Kauris, die 20.000 Jahre alt sind, in anderen Gegenden welche, die bereits 100.000 Jahre alt sind. Wir glauben eher, dass Zyklone für ein Abknicken und dann Konservieren der Kauris im Boden verantwortlich waren, in manchen Fällen vielleicht auch riesige wandernde Sanddünen.“

Altersbestimmung für das Preisschild

Bei jedem neu entdeckten Fund bringen die Holzgräber Holzproben zur Altersbestimmung in ein Labor, um per Radiokarbonmessung das genaue Alter des Holzes bestimmen zu lassen. Dieses Ergebnis entscheidet dann über den Wert und den Preis des Holzes. So kostet ein Kubikmeter des 45.000 Jahre alten Kauri-Holzes weit über 4000 Euro, ein gut neun Meter langer Stamm wird für über 63.000 Euro auf dem internationalen Markt angeboten. „Nicht immer bedeutet jedoch hohes Alter gleichzeitig einen steigenden Wert“, weiß Dr. Jonathan Palmer. „Ab einem bestimmten Alter, so ca. 40.000 Jahre, wird der Wasseranteil im Holz saurer, es hat dann einen ähnlichen PH-Wert wie Zitronensaft. Und dies hat einen Negativeffekt auf das Öl, welches das Holz geschmeidig hält, und mit dem es sich besser verarbeiten lässt. Einige Künstler bevorzugen deshalb jüngeres Holz, was einfach noch stabiler ist.“

Moderne Arbeit mit uraltem Holz

Viele Holzschnitzer kaufen auch Stücke des Swamp Kauris ein, um daraus Souvenirs, Skulpturen oder Gebrauchsgegenstände zu fertigen. Bevor das Holz jedoch bearbeitet werden kann, muss es künstlich getrocknet werden. Die Feuchtigkeit im Holz darf bei Möbelstücken den internationalen Standard von 9 % nicht übersteigen. Erst danach beginnt das eigentliche Schnitzen mit Motorsäge und Tranchiermesser. Aus dem Stumpf  wurde ein massiver Holztisch gefertigt. Ist die gewünschte Form nach oft monatelanger Arbeit vollendet, wird unzählige Male sandgestrahlt und die Oberfläche noch mit Harz behandelt, hitzebeständig und haltbar gemacht.

So bleibt der wunderschöne Anblick auch ohne große Pflege noch lange erhalten. Jedes Möbelstück ist ein Unikat in Form, Farbgebung und Maserung des Holzes. Ein Kauri-Sofa mit dem passenden Beistelltisch hat einen Wert von über 5.000 Euro. „Wir haben auch einmal eine Tischplatte für ein italienisches Unternehmen angefertigt. Sie war 12 Meter lang und wurde bei der größten Holzmesse Deutschlands ausgestellt”, erzählt der neuseeländische Zulieferer stolz. „In unserem Showroom haben wir die weltgrößte Wendeltreppe aus Kauri. Wir haben sie in monatelanger Arbeit in einen Kauri-Stamm gearbeitet, der 50 Tonnen wog und einen Durchmesser von elf Metern besaß.”

Auch das Kauri Museum hat einige wunderbare Holzmöbel ausgestellt. Dr. Jonathan Palmer selbst besitzt jedoch nur einige kleinere Produkte in seinem Privatbesitz: „Wir haben die typischen Küchenutensilien wie ein Holzbrett und eine Salatschüssel aus Kauri.“ Er lacht. Ob Statue, Holzbesteck oder Wanduhr – der Einfallsreichtum bei der Verarbeitung des Edelholzes kennt keine Grenzen. Sogar handgemachtes Kauri-Papier wird angeboten. Viele der traditionellen Schnitzer sind Maori, die in ihre Arbeit ihr antikes Kulturgut mit einfließen lassen. Für Touristen aus aller Welt ist Kauri ein wunderbares Souvenir – typisch für Neuseeland.

Dr. Jonathan Palmer hofft indessen auf weitere finanzielle Unterstützung und Sponsoren für seine Forschungsarbeit in Neuseeland, die der gesamten Welt zu Gute kommen könnte: „Wir arbeiten eng und freundschaftlich mit den Holzhändlern zusammen, die uns immer wieder kostenfreie Proben von neuen Funden zukommen lassen. Zwar wird es Jahre dauern, bis wir tatsächlich alles untersuchen können und noch länger, bis die Auswertung wirklich Ergebnisse bringt aber wir archivieren und sammeln und irgendwann können wir vielleicht für uns alle Zukunfts-Prognosen für die Entwicklung des Weltklimas machen. Beispielsweise auf der letzten Weltklimakonferenz konnten wir anmerken, dass es schon einmal eine Klimaerwärmung gab, die gefolgt war von einem plötzlichen Kälteumschwung, der Jüngeren Dryaszeit. Kann so etwas noch einmal passieren, stellt sich dann die Frage. Eine spannende Theorie, auf die wir hoffentlich bald eine Antwort haben!“ Uralte Kauris aus Neuseeland als Prognose für die Weltklimaforschung im 21. Jahrhundert – eine spannende Zukunftsaussicht für das kleine Land am Ende der Welt. Anja Schönborn

Kauri-Museum


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Last updated 4 May 2015


Neuseelands Kauri Museum-Video

KAURI-PFLICHTPROGRAMM

Für den nächsten Neuseeland-Urlaub

Tane Mahuta lautet der Name des größten lebenden Kauri-Baumes in Neuseeland. Er ragt im Waipoua Forest nördlich von Auckland in den Himmel. Der "Gott des Waldes", wie er nach der Legende auch genannt wird, hat eine Höhe von 51,5 Metern, einen Durchmesser von 13,8 Metern, ein Volumen von 244,5 Kubikmetern und ist geschätzte 1250 bis 2000 Jahre alt. Der Urwaldriese ist nicht nur Anziehungspunkt für Touristen, sondern bis dato auch wichtiger Bestandteil in der Kultur der Maori.

Das mehrfach preisgekrönte Kauri-Museum in Matakohe, etwa eineinhalb Stunden Autofahrt nördlich von Auckland, ist mehr als nur eine Ausstellung, in der verstaubte Kauri-Möbel zu sehen sind. Hier erfährt man anschaulich aufbereitet alles über die Geschichte der Urwaldriesen und findet die größte Kauri-Bernstein-Sammlung der Welt.

Auch Dr. Jonathan Palmer sitzt neben der Direktorin Lisa Tolich zu Forschungszwecken mit im Haus. Und das Museum arbeitet ganz im Sinne des Naturschutzes, wurde als erstes Museum der Welt mit dem Zertifikat "carbonZero" ausgezeichnet. Der neu gepflanzte Kauri-Wald wird den Besuchern in den nächsten Jahren den faden Beigeschmack der Holzfäller-Ära nehmen und aufzeigen, dass sich Kauri auch heute noch als Baum in Neuseeland pflanzen läßt.

Kauri-Museum

Foto: Waipoua Forest im frühen 20. Jahrhundert, Northland

Foto: Kauri-Riese im Waipoua Forest, Northland

Foto: Fällen der Kauri-Riesen von Hand

Foto: Abtransport von Baum-Sektionen mit Ochsen-Teams

Foto: In einen Kauri-Stamm ausgesägte Wendeltreppe als Tourismus-Attraktion in Northland