Travel & Lifestyle magazinNeuseeland News

NeuseelandNews Travel & Lifestyle


FEATURES
ADVERTORIALS Deutsch



LINK LISTINGS







BÖHMISCHER MALER IN NEUSEELAND

Gottfried Lindauers berühmte Maori-Gemälde

Gottfried Lindauer, der aus Böhmen in Neuseeland eingewanderte Künstler, malte im späten 19. Jahrhundet eine jetzt begehrte Kollektion von Maori Portraits in Öl. Heute zählt er neben den jüngeren Malern C.F. Goldie und H. Linley Richardson für Pakea wie für zahlreiche Maori-Stämme zu den bedeutendsten Maori-Portraitkünstlern, die akkurat Kleidung, Ornamente, Tattoos und Waffen der Ureinwohner Neuseelands in ihren Bildern festhielten.

Doch seine Kindheit und Jugend verbrachte Gottfried Lindauer, auch unter dem tschechischen Namen Bohumir bekannt, am anderen Ende der Welt in Europa. Er wurde am 5. Januar 1839 in Pilsen geboren. Sein Vater Hynek-Ignatz war Gärtner und lehrte ihm mit 13 Jahren sein eigenes Handwerk in der familieneigenen Gärtnerei. Schon in jungen Jahren begann der junge Gottfried dort Blumenzeichnungen anzufertigen und Pflanzen zu malen. Im Jahr 1855 entschied er sich den Beruf des Gärtners aufzugeben und nach Wien zu gehen.

Er lief die 320 Kilometer von Pilsen in die österreichische Stadt zu Fuß, um an der dortigen Akademie Malerei zu studieren. Unter Professor Léopold Kupelwieser und Professor Josef von Führich blieb er bis 1861 an der Hochschule. Einer der Professoren brachte ihn schließlich in Kontakt mit Carl Hemerlein, der in Wien für seine religiösen Kunstwerke bekannt war. Lindauer trat der Künstlerwerkstätte bei und bekam so einige Aufträge, religiöse Motive zu malen, unter anderem in der Kirche einer kleinen Stadt in Mähren. Danach kehrte er nach Pilsen zurück, wo er sein eigenes Studio eröffnete.

Doch seine Arbeit wurde unterbrochen, denn er mußte sich der militärischen Grundausbildung widmen. Als der junge Künstler jedoch keinerlei Begabung als Soldat zeigte, beauftragte ihn der kommandierende Offizier ein Portrait seiner Ehefrau anzufertigen. Andere Offiziere folgten und es dauerte nicht lange bis Gottfried Lindauer zahlreiche Portraits für den ansässigen Landadel malte. Die nächsten Jahre verbrachte der Künstler in Polen, wo er den Töchtern von Adligen Privatunterricht im Malen gab.

In dieser Zeit fertigte er auch biblische Gemälde in zahlreichen katholischen Kirchen Russlands an. Obwohl sein Onkel väterlicherseits der Bischof von Budweis war und er katholisch erzogen wurde, blieb der Maler sein Leben lang ein Atheist. 1873 sollte er wieder vom österreich-ungarischen Militär eingezogen werden, doch durch seinen Einfluß im tschechischen Nationalismus, bekam er Aufschub zur Einziehung und es gelang ihm, aus dem Land zu fliehen. In Hamburg ging er schließlich an Bord des Schiffes "Reichstag", welches Kurs auf Neuseeland nahm und am 6. August 1874 in den Hafen von Wellington einlief.

Lindauer begab sich zunächst auf die Südinsel und ließ sich in Nelson nieder. Dort portraitierte er europäi-sche Siedler, hielt Szenen des alltäglichen Lebens in seinen Bildern fest und kopierte Gemälde der großen Maler des 19. Jahrhunderts. 1876 fertigte er in Auckland sein erstes Portrait eines Maori an - das des Straßenhändlers Moses, der Pfirsiche verkaufte. Nur ein Jahr später stellte er seine Werke in einer Ausstellung in Wellington zur Schau. Hiermit gelang es ihm, das Interesse vieler berühmter und wichtiger Häuptlinge verschiedener Maoristämme (iwi) zu gewinnen, die ihn beauftragten, Portraitbilder von sich anzufertigen.

In Thames auf der Coromandel Halbinsel kam ihm die Idee, eine typische Szene aus dem Alltag der dort lebenden Maori festzuhalten, um das Bild in seine ehemalige Heimat nach Böhmen zu senden. Mit diesem Gemälde "Mutter und Kind" erntete er die Aufmerksamkeit von Sir Walter Buller, der später zwanzig Lindauer Bilder in die Londoner Intercolonial Ausstellung 1885 integrierte. Eines dieser Werke, "Poi Girl", wurde sogar dem damaligen Prinzen von Wales präsentiert.

1879 heiratet Gottfried Lindauer in Australien die aus Preussen stammende Danzigerin Emelia Wipper. Doch seine Frau starb nur ein Jahr später in Christchurch. Am 23. Juli 1881 wurde Lindauer in Neuseeland eingebürgert und am 15. September 1885 heiratete er in Nelson die britische Immigrantin und Köchin Rebecca Petty. Wenig später gebar sie ihm zwei Söhne, Hector and Victor. Während dieser Jahre in Nelson hielt der Maler engen Kontakt mit dem Anwalt Walter Buller und dem Fotografen Samuel Carnell, der sich auf fotografische Studien von Maori spezialisiert hatte.

1889 kaufte sich der Künster ein Grundstück in der Pinfold Road in Woodville in der Hawke's Bay, wo er mit der Ausnahme von zwei Besuchen in Europa, bis zu seinem Tod blieb. Durch seine Maori Portraits kam Lindauer in Auckland mit dem Geschäftsmann Henry Partridge in Kontakt, welcher für lange Zeit sein Freund und Fürsprecher wurde.

Partridge hielt es für wichtig, die traditionelle Kultur der Maori in Bildern festzuhalten und beauftragte Lindauer über die nächsten dreißig Jahre immer wieder Portraits der Ureinwohner und Szenen und Bräuche des Maori-Alltags einzufangen. Zwischen 1901 und 1912 stellte Partridge 37 Lindauer Portraits und das szenisch eingefangene Maori-Ritual "The tohunga under tapu" in den Galerie-Räumen über seinem Tabakladen in der Queen Street in Auckland aus.

Dies wiederum brachte den eingewanderten Böhmen mit dem berühmten Schriftsteller James Cowan in Kontakt, welcher sich auf die Historie der Maori spezialisiert hatte und 1901 und 1930 einen Katalog mit Lindauer Reproduktionen veröffentlichte. 1904 verlieh Henry Partridge neun seiner Gottfried Lindauer Gemälde an den Neuseeländischen Staat, welcher die Bilder in der Louisiana Purchase Exposition in St. Louis in den USA ausstellte. Eines der frühen Lindauer Maori Portraits, "Henne Rupene and child", aus dem Jahre 1878 wurde vom Kommittee des "Palace of Art" gewählt und gewann den Hauptpreis.

Doch die Erfolgsgeschichte des Malers war noch nicht zu Ende. Im Jahre 1913 verlieh Partridge seine mittlerweile auf siebzig Werke vergrößerte Kunstsammlung von Lindauer Gemälden an die Auckland Art Gallery. Drei Jahre später stiftete er die Kollektion mit der Auflage, die Galerie müsse 10.000 Pfund für den Fond der belgischen Kriegsflüchtlinge sammeln. Die Ausstellung fand derart Anklang, daß die geforderte Spendensumme schon wenige Wochen später weit überschritten war.

Während des ersten Weltkrieges stand Gottfried Lindauer wie viele Deutsche und Österreicher wegen seiner ursprünglichen Herkunft als Verdächtiger unter Beobachtung. Der geschätzte Maler bekam dennoch Anfragen und Aufträge, reiste unentwegt durch das Land und portraitierte. Lindauer übte seinen Beruf so lange aus, bis seine Augenschwäche etwa acht Jahre vor seinem Tod am 13. Juni 1926 ein Malen unmöglich machte.

Die Lindauer-Gemälde wurden während seiner Lebzeit und auch in den folgenden Jahrzehnten von Experten und Künstler-Kollegen als ethnologische und historische Aufzeichnungen sehr geschätzt. Er hielt alle Begebenheiten fest, wie sein Auge sie wahrnahm. Selbst spätere Replika seiner eigenen Bilder sind dem Original zum Verwechseln ähnlich. Die Beschreibungen der Physiognomie, der Artefakte, Moko (Gesichts-Tätowierung) und Kleidung der Maori ist ausserordentlich detailliert.

Doch die Ethnologie seiner Gemälde ist nicht immer hundertprozent akurat. So wurden manche Moko fehlerhaft gemalt oder sind verändert worden, die Darstellung der Kleider entsprach nicht immer den Realitäten. Obwohl Lindauer wohl die mei-sten Gemälde als Live-Portraits zeichnete, soll er auch Fotografien als Vorlagen verwendet haben. Seine Kompositionen sind offensichtlich und trivial, die Farben realistisch und niemals abenteurlich überzogen. Kenner gehen heute davon aus, daß Lindauer eine Art konstruierte Vorstellung der historischen Maori in seinen Werken darstellt, eine romantische Abbildung einer vermeintlich aussterbenden Bevölkerungsgruppe.
 
Seine europäischen Werke tragen oft die Kennzeichnung "B.Lindaur", für seinen böhmischen Vornamen "Bohumir". Hier war das "e" in "Lindauer" optional. Alle neuseeländischen Gemälde sind jedoch mit "G. Lindauer" unterzeichnet, was für seinen deutschen Namen "Gottfried" steht.

Obwohl Gottfried Lindauer meist per Auftrag durch Neuseeland reiste, auf Kommission portraitierte und somit nicht zu den Meistern der bildenden Künstler gehört, existieren heute mehr Lindauer Ölgemälde in Neuseeland als Werke von anderen europäischen Malern. Neben den späteren Bildern von Goldie zählen sie heute zu den berühmtesten Gemälden Neuseelands, die Maori im 19. Jahrhundert darstellen und gelten besonders unter den Ureinwohner als Erinnerung und Wertschätzung ihrer Vorfahren.

Bis heute kann ein Großteil der Werke Gottfried Lindauers in Neuseeland besichtigt werden. Die siebzig Bilder starke Partridge Kollektion an Lindauer Gemälden befindet sich noch heute in der Auckland City Art Gallery. Doch es sind auch einige "Lindauer" in New Plymouth, in Wanganui und im Nationalmuseum Te Papa ausgestellt.  Und - Neuseelands populärste Sektmarke ist nach ihm benannt... Anja Schönborn


Share

Copyright © NEUSEELAND-AUSTRALIEN-PAZIFIK NEWS
Disclaimer
Last updated 4 April 2017


Der Maler Gottfried Lindauer (1839 - 1926): Erfolgsgeschichte im Neuseeland des 19. Jahrhunderts

Lindauer-Werk aus Neuseeland: Maori-Häuptling Tawha o Tawhau Ngatuere

Lindauer-Werk aus Neuseeland: Maori-Mutter und Kind “Ana Rupene”(Alle Bilder diese Seite: “Alexander Turnbull Library”, National-Bibliothek Neuseelands)