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WIEDER ÄNDERUNGEN IM EINWANDERUNGSRECHT

Die meisten Kontakte gibt es über Beziehungen

Zum Februar 2006 haben sich die Einwanderungsvorschriften der so genannten Skilled Migrant Catgegory, dem Flaggschiff des neuseeländischen Einwanderungsrechs mal wieder geändert. Das ist für Kenner der Materie nicht überraschend, denn seit Einführung des Immigration Acts im Jahre 1987 haben sich die vom Act (Gesetz) abgeleiteten Einwanderungsvorschriften unzählige Male geändert. Das scheint in der Natur der Sache zu liegen, denn wie auch anderswo auf der Welt ist das Einwanderungsrecht ein Spielball der Politik. Spätestens alle drei Jahre, wenn hier gewählt wird, wird das Thema von den Politikern und in den Medien breitgetreten. In der Zwischenzeit fummeln und drehen Regierungsbeamte am System auf der nimmer endenden Suche nach dem perfekten Einwanderer.

Die Grundidee ist eigentlich simpel. Einwanderungskandidaten werden je nach Ausbildung, Berufserfahrung, Alter und beruflichen Möglichkeiten in Neuseeland anhand eines Punktesystems ausgewählt. An dem Grundprinzip hat sich seit 1987 nichts geändert. Obwohl es bei den Änderungen meist nur ums fine-tuning, die Feineinstellung, geht, sind aus den vier oben genannten Bewertungskriterien inzwischen 16 Kriterien geworden, aufgrund derer man Punkte und Bonuspunkte verdienen kann. Dazu kommen diverse Listen, die über Bonuspunkte oder die Akzeptanz von Ausbildungen oder Arbeitsangeboten entscheiden: die Immediate Skill Shortage List, die Long Term Skill Shortage List, die List of acceptable trades, die List of occupational registration und schliesslich die längste (über 200 Seiten) und am wenigsten bekannte New Zealand Standard Classification of Occupations Liste, auf die von der List of Occupations verwiesen wird. Zur weiteren Verwirrung trägt bei, dass die oben erwähnte Long Term Skill Shortage List an anderer Stelle "area of absolute skill shortage" genannt wird und an wieder anderer Stelle: "priority occupations list".
Im Widerspruch zu der oben nur angedeuteten Komplexität des Einwanderungsrechts steht die Tatsache, dass das Einwanderungsverfahren online - sozusagen im Do-it-yourself-Verfahren - eingeleitet werden kann. Ehrgeizige Regierungsbeamte, die eine mo-derne und fortschrittliche Bürokratie schaffen wollten, konnten sich nicht verkneifen, ein Online-Verfahren zu schaffen. Da eine Aufenthaltserlaubnis (Residence Permit) aber nicht runter geladen werden kann wie eine Software, musste das Verfahren in verschiedene Schritte unterteilt werden. Das für jedermann durchschaubare System - man stellt einen Antrag und erhält daraufhin entweder eine Genehmigung oder eine Ablehnung - wurde damit abgeschafft.

Die Skilled Migrant Catgegory ist in zwei Verfahrensschritte unterteilt. Erster Schritt ist die Expression of Interest. Online erklärt man seine Absicht, einwandern zu wollen. Das Wort Absichtserklärung (Expression of Interest) lässt vermuten, dass man schnell unverbindlich seinen Finger heben kann, um zu bekunden, dass man gerne nach Neuseeland auswandern möchte. Unverbindlich, ja - schnell, nein, denn der Fragenkatalog der Expression of Interest umfasst in Druckform mehr als 40 Seiten und man muss vorher in der Regel bereits andere Zwischenschritte (Englischtest, Bewertung der Ausbildung) absolviert haben!

Zweiter Schritt ist die Invitation to Apply. Aus dem Pool von Online-Bewerbern werden die besten (die mit den meisten Punkten) ausgewählt und eingeladen, einen Antrag auf Permanent Residence zu stellen. Allerdings gilt hier auch wieder das Prinzip der Unverbindlichkeit. Man hat lediglich das Recht erworben, einen Antrag stellen zu dürfen. Trotz Einladung (Invitation to Apply) kann man auch wieder ausgeladen werden - oder treffender formuliert, man erhält eine Ablehnung des Residence Antrages. Man sollte meinen, dass die, die nicht wieder ausgeladen wurden, einen positiven Bescheid oder anders formuliert, eine Genehmigung erhalten. So simpel ist es aber leider nicht; es gibt drei Klassen von Genehmigungen:

Erste Klasse: Ein unbeschränkter Residence Permit. Also das, was man eigentlich beantragt hat, ein lebenslanges Recht, in Neuseeland leben und arbeiten zu dürfen.

Zweite Klasse: Ein beschränkter Residence Permit. Abhängig davon, dass man nach einer gewissen Zeit nachweist, dass man auch tatsächlich mindestens drei Monate in seinem Beruf hier gearbeitet hat.

Dritte Klasse: Man bekommt keinen Residence Permit, sondern noch mal eine Invitation to Apply - diesmal für einen so genannten Work to Residence Permit, einen auf zwei Jahre befristeten Work Permit (Arbeitserlaubnis). Wer innerhalb der zwei Jahre nachweisen kann, dass er mindestens drei Monate in seinem Beruf gearbeitet hat, kann die Umschreibung auf einen unbeschränkten Residence Permit beantragen - was dann in der Regel auch genehmigt wird.

Die Entscheidung, welche dieser Genehmigungen erteilt wird, hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Einwanderungsbehörde die Chancen einschätzt, dass der Antragsteller einen Job in seinem Beruf findet. Wer hier schon in seinem Beruf tätig ist (und einen gültigen Work Permit, befristete Arbeitserlaubnis hat), hat die besten Chancen auf einen "Erste-Klasse-Permit". Man muss auch damit rechnen, dass man in London oder in Neuseeland zu einem Interview vorgeladen wird, so dass sich der Einwanderungsbeamte einen persönlichen Eindruck machen kann.

Und was hat sich nun bei der Skilled Migrant Catgegory zum Februar geändert? Hat sich das Verfahren womöglich vereinfacht? Natürlich nicht. Es wurde im Gegenteil noch eine wei-tere Dimension eingeführt. Noch im letzten Jahr wurden alle online Bewerber ab einer bestimmten Punktezahl (die sich ab und zu änderte) ausgewählt und eingeladen, einen Antrag auf Permanent Residence zu stellen (Invitation to Apply). Die Möglichkeit besteht zwar nach wie vor bei zur Zeit 140 Punkten, aber auch die, die zwischen 100 und 135 Punkte erzielen, haben eine Chance, aus dem Pool der Bewerber auserkoren zu werden, vorausgesetzt, sie können einen Job Offer nachweisen und in der Jahresquote von 51.500 Einwanderern sind noch ein paar Plätze frei.

140 Punkte erreicht man in der Regel auch nur mit einem Job Offer. Auf einen simplen Nenner gebracht gilt daher, wer sich aufgrund der Skilled Migrant Catgegory qualifizieren will, braucht - bis auf wenige Ausnahmefälle - ein Stellenangebot eines neuseeländischen Arbeitgebers. Wie man an einen solchen Job kommt, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und wird an gleicher Stelle in einer der nächsten
NN-Ausgaben behandelt. Soviel nur schon vorweg: Die meisten Jobs werden über Beziehungen vermittelt!

IMMER DER ARBEIT NACH?

Aus der Sicht des NN-Auswanderungs-Experten

Das Stern-Magazin in Deutschland hat zum zweiten Mal die Auswanderung zum Titel-Thema gemacht: Ab ins Ausland: Neuer Job, neues Glueck. Unter der Ueberschrift, "Immer der Arbeit nach" werden die verschiedensten Auswanderer und Ziellaender vorgestellt.

Wenn man den Artikel liest, fragt man sich in den meisten Faellen, wieso da von Auswanderung die Rede ist. "Auswanderer" nach Holland, Irland, Schweiz und Norwegen werden ausfuehrlich beschrieben. Wie bitte? Ich dachte, Europa waechst zusammen? Sind Amis, die von Florida nach Kalifornien ziehen oder Neuseelaender, die nach Australien ziehen auch Auswanderer?

Wenn man den Artikel genauer studiert, stellt man fest, dass es eigentlich um die Arbeit, bzw. um Arbeitslosigkeit in Deutschland geht. Immer der Arbeit nach - denn das scheint wirklich der einzige Grund zu sein, warum sich ein "guter Deutscher" vorstellen kann "umzuziehen", denn mehr ist das in den meisten Faellen nicht.

Das eigentliche Thema des Stern ist also die Erkenntnis, dass es Deutsche gibt, die umziehen! Es soll ja auch tatsaechlich etliche Buerokraten gegeben haben, die es gewagt haben (oder sind sie gelockt worden?), von Bonn in die neue Hauptstadt Berlin zu ziehen… Interessant (aus der sicheren Distanz von down under) ist nicht, dass sich jaehrlich 150.000 Deutsche brav beim Einwohnermeldeamt abmelden und ins (meist europaeische) Ausland ziehen, sondern eigentlich die Erkenntnis (Bestaetigung), wie bodenstaendig der Deutsche ist und wie unflexibel. Mobilitaet ist ein Fremdwort! Sonst kann ich mir nicht erklaeren, wieso ein Maurer, der nach Norwegen geht, zur Hauptperson in der Titelgeschichte einer der groessten deutschen Illustrierten wird.

Die Autorin des Sterns hat mich auch waehrend ihrer Recherche konsultiert. Sie wollte von mir hoeren, dass auch in Neuseeland Deutsche auf der Suche nach Arbeit gelandet sind. Dass nach meiner Auffassung dies der falsche Ansatz sei, wollte sie nicht hoeren - und hat sie auch nicht geschrieben. Stattdessen wurden Kunden von mir, eine "Fliessenlegerfamilie", die sich in Auckland niedergelassen hat, als Neuseeland-Repraesentanten auserkoren.

Der Stern ist in guter Gesellschaft. Auch das neuseelaendische Immigration Service glaubt, die deutschen Arbeitslosen (oder die, die davor Angst haben) nach Neuseeland locken zu muessen. Es werden in Zusammenarbeit mit der ZAV (Zentralstelle fuer Arbeitsvermittlung) Job Fairs veranstaltet, die neuseelaendische Arbeitgeber mit deutschen Arbeitssuchenden zusammenbringen sollen. In den meisten Faellen wird jedoch aus den Vermittlungversuchen nichts. Zu gross sind der Aufwand und die Kosten, um hier erfolgreich einen Job zu finden. Zu gross sind auch die Risiken fuer viele neuseelaendische Arbeitgeber, sich auf Abenteuer mit deutschen Arbeitslosen einzulassen.

Mein Rat: wer einfach nur Arbeit sucht, sollte sich doch lieber im europaeischen Ausland umsehen - oder vielleicht reicht ja schon der Umzug in ein anderes Bundesland! Neuseeland macht eigentlich nur Sinn fuer die, die einen neuen 'lifestyle' suchen, die sich privat und oft auch beruflich veraendern wollen. Natuerlich hilft es am Anfang, wenn man einen Beruf hat, der hier gesucht ist. Auch einwanderungstechnisch hilft ein Jobangebot - aber das kriegt man nur selten auf einer Job Fair. Dazu braucht man - trotz der geringen Arbeitslosigkeit von nur 3,4% - auch in Neuseeland meist Beziehungen vor Ort!

Arbeit ist in Neuseeland kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck (zum 'lifestyle'). Da hoert man dann allerdings manchen Deutschen schon wieder stoehnen "die Arbeitsmoral ist ganz anders hier!" - wie ja auch der Metzger Loibl aus Suedafrika im Stern richtig erkannt hat!
http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/:Auswanderer-Immer-Arbeit/550279.html

WARUM NEUSEELAND?

Oder einfach nur weg!

Warum Neuseeland? Was treibt manche Menschen aus einem der reichsten Länder der Welt ans andere Ende der Welt auf zwei Inseln im Südpazifik? Neuseeland zieht Einwanderer aus allen Teilen der Welt an. Für Inder, Chinesen und Philippinen zum Beispiel ist Neuseeland oft nur die zweite Wahl. Sie wollen in den reichen Westen, nach Amerika, Kanada oder England auf der Suche nach unbegrenzten Möglichkeiten. Wer dort an den Einwanderungsgesetzen scheitert, versucht es eben in Neuseeland. Oft haben diese Auswanderer vorher noch nie etwas von Neuseeland gehört. Erst im Laufe ihrer Recherche nach Auswanderungsoptionen sind sie auf Neuseeland gestossen.



Und dann gibt es natürlich auch noch die Briten, Iren und Schotten, die schon immer die Hauptquelle des Einwanderungsstroms nach Neuseeland waren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Neuseeland überwiegend von Großbrittanien aus bevölkert. Vorher trieb es eigentlich nur Entdecker, Walfänger, Goldsucher und andere Abenteurer nach Neuseeland. 1840 wurde Neuseeland eine Kolonie der britischen Krone. Für die Briten, die heute nach Neuseeland auswandern, ist dies daher nicht so außergewöhnlich wie es wohl für die meisten Deutschen ist. Oft haben sie Verwandte oder Freunde, die schon in Neuseeland sind. Zumindest aber können sie ein vertrautes Umfeld erwarten. Der "Kulturschock" wird sich in Grenzen halten, da Neuseeland eben britisch geprägt ist. Das Hauptmotiv für die meisten Briten ist der bessere Lifestyle, den sie in Neuseeland erwarten. Aber wie sieht es mit den doch meist als bodenständig eingeschätzten Deutschen aus? Was treibt ca. 400 Deutsche pro Jahr nach Neuseeland? Die Suche nach einem besseren Lifestyle (Lebensstil) ist sicher auch bei den Deutschen ein wichtiges Motiv. Man hat einen schönen Urlaub in Neuseeland verlebt und hat die Kiwis um ihr Land und ihren Lifestyle beneidet. Man will einfach mal anders leben als in Deutschland. Raus aus dem Trott! Innerhalb Deutschlands ist es für viele schwer, sich zu verändern - den einmal eingeschlagenen Lebensweg umzuleiten. Da ist es oft einfacher, ans andere Ende der Welt zu ziehen, und wieder von vorne, diesmal anders, anzufangen.

Das positive Neuseelanderlebnis ist oft der Auslöser, eine solche drastische Lebensänderung herbeizuführen. In letzter Zeit tritt dies jedoch immer häufiger in den Hintergrund. Im Vordergrund steht in den letzten Jahren bei vielen einfach der Wunsch, weg aus Deutschland. Wohin ist fast zweitrangig. Hauptsache weg! Viele ziehen mit Sack und Pack um, ohne jemals vorher einen Fuß auf eine der Inseln im Südpazifik gesetzt zu haben. Man hat sich - typisch 21. Jahrhundert - im Internet informiert. Ähnlich wie in einer Internetbeziehung hat man das Gefühl, das Land schon genau zu kennen, ohne es je gesehen zu haben. Das kann - genau wie beim Traumpartner aus dem Internet-Forum - klappen oder in die Hose gehen.

Ich vermute, dass - um den Vergleich weiter zu strapazieren - ähnlich wie bei den Internetbeziehungen, die überwiegende Mehrheit einfach nur flirtet, mit dem Gedanken spielt, aber den großen Schritt dann doch nicht wagt. Es be-steht also ein großes Informationsbedürfnis für Auswanderungsgeschichten. Das haben auch die Medien gemerkt und bedienen Ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer mit Schicksalsberichten "gestandener Aussteiger" (der Stern recherchiert gerade wieder dieses Thema!).

Ein weiteres Phänomen hat sich in den letzten Jahren herauskristallisiert. Die Auswanderung aus be-ruflichen Gründen. Die schwache Wirtschaft in Deutschland, die behördlichen Hindernisse und die hohe Arbeitslosigkeit treibt manchen dazu, sich in Neuseeland nach besseren beruflichen Möglichkeiten umzuschauen. Meist ist es nicht die Arbeitslosikeit selbst, die die Leute nach Neuseeland treibt - eher die Sorge, dass es in Zukunft noch schlechter wird oder der Wunsch, seinen Kindern eine bessere (berufliche) Zukunft in einem wirtschaftlich vermeintlich besseren Klima zu bieten. Oder man will einfach mal wieder in seinem erlernten Beruf arbeiten. In Deutschland arbei-tet mancher Handwerker irgendwo als Sachbearbeiter bei einer Bank, obwohl er viel lieber an der Drehbank stehen würde. In Neuseeland wird er garantiert keinen Job bei einer Bank finden - an der Drehbank oder in anderen Handwerksberufen gibt es dagegen gute Möglichkeiten.

Trotzdem ist der Schritt vom Träumen zum Auswandern für die meisten zu groß - es bleibt eben doch beim Internetflirt - was auch verständlich ist, schließlich verläßt man ja in den meisten Fällen eine lebenslange "Beziehung".


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Last updated 18 May 2008

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Die Artikel stammen von Peter Hahn, einem ehemaligen Rechtsanwalt aus Berlin, der seit 15 Jahren in Wellington lebt und dort unter der Firma Hahn & Associates Ltd deutsche Einwanderer und Geschäftsleute berät. Detailliertere Auskünfte gibt es online: Auswandern mit Peter Hahn >

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