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EINWANDERN OHNE JE IN NEUSEELAND GEWESEN ZU SEIN?

Tipps vom NN-Immigrations-Experten

Kann der Heimatfrust wirklich so stark sein, dass man einfach seine Koffer packt und abhaut? Ohne die neue Heimat vorher wenigstens mal besucht zu haben? Wie lässt sich das denn mit dem sprichwörtlichen Sicherheitsdenken der Deutschen vereinbaren?

Diese Fragen stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger, denn immer weniger wollen hören, dass sie erstmal herkommen und sich das Land anschauen sollen, bevor sie auswandern. Das ist zwar grundsätzlich immer noch mein Rat, aber ich habe von den Kurzentschlossenen gelernt, dass man sich auch aus der Ferne ein Bild machen kann, wie einer meiner Kunden, der mir sagte, er habe mein Haus sofort erkannt, denn er habe es ja schon vom Satteliten aus -via Google Earth - gesehen.

Aber können das virtuelle Internet und Google Earth wirklich den realen Neuseelandbesuch ersetzen? Vom Erlebnis- und Urlaubswert her wohl kaum - aber vielleicht ist ja doch was dran, wenn manche behaupten, sie hätten sich bestens über das Internet informiert und wüssten, was sie erwarte. Schließlich weiß man ja auch nach einem vierwöchigen oder noch kürzeren Neuseelandurlaub noch nicht, wie das wirkliche Leben, der Alltag, in Neuseeland aussieht. Die meisten Neuseelandurlauber kommen zu dem Ergebnis, dass die Landschaft und Natur traumhaft, die Menschen freundlich und umgänglich sind und dass hier ein anderes Lebenstempo herrscht - alles Dinge, die man auch im Internet lesen kann. Wie das wirkliche Leben hier ist, weiß man erst hinterher - nachdem man ausgewandert ist - mit oder ohne Neuseelandurlaub!

Ich habe das schon mehrfach miterleben können, die scheinbar unmöglichen Fälle werden zu Erfolgsgeschichten. Hier ist ein Beispiel aus der Praxis: So gut wie keine Englischkenntnisse, noch nie in Neuseeland gewesen, erwachsene Kinder und keine dicke Kapitaldecke. Manch einem wird die Geschichte be-kannt vorkommen, denn es handelt sich um die Familie, die mit Kabel 1 nach Nelson ausgewandert ist. Im Brennpunkt der Kamera wurden Schwächen wie z.B. mangelnde Sprachkenntnisse gnadenlos offen gelegt. Der Zuschauer, in der Sicherheit seines gemütlichen Wohnzimmers, fasst sich an den Kopf und fragt sich, wie kann man nur so naiv und unvorbereitet sein! Klar, dass da alles schief laufen muss!

Wie konnte so was doch noch gut gehen? Die Antwort liegt in der Erwartungshaltung der Auswanderer. Die Familie, die nach Nelson auswanderte, hatte keine großen, vorgefertigten Erwartungen!

Auf dem Weg nach Neuseeland gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Die wichtigste Engscheidung ist aber die erste - "will ich, oder wollen wir als Familie, wirklich nach Neuseeland auswandern?" Das hört sich banal an - aber nur allzu leicht kann man im Vorbereitungswahn des Einwanderungsprozesses den Fokus aufs Wesentliche verlieren. Nach mehrfachen Neuseelandbesuchen und mit exzellenten Englischkenntnissen ist man leicht dem Trugschluss erlegen, dass man weiß, was einen erwartet, dass man weiß, man wird hier gebraucht und dass man sich auskennt. Man hat ja schließlich das ganze Land von Nord nach Süd abgefahren und erkundet, man hat neuseeländische Freunde gewonnen, die einen alle in den Auswanderungsplänen bestärken. Man hat die Zeitungsanzeigen gesehen, wo Jobs in Hülle und Fülle angeboten werden und man fühlt sich - schlicht und einfach schon richtig zu Hause.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: an der beschriebenen Vorgehensweise ist überhaupt nichts auszusetzen! Im Gegenteil, es ist gut, hier Kontakte zu haben und das Land und die Landschaft mit eigenen Füssen erkundet zu haben. Aber was ist, wenn einem die rosarote Brille plötzlich abgenommen wird, wenn man sieht, dass man hier auch nur mit Wasser kocht und dass die Kenntnisse, die man hat und die doch in Neuseeland angeblich gebraucht werden, überhaupt nicht gewürdigt werden?

Der Eindruck, dass man hier gebraucht wird, dass die Spezialkenntnisse, die man in Deutschland erworben hat, hier geschätzt werden, entsteht leicht aufgrund der Werbung der Einwanderungsbehörde, Immigration New Zealand, und mancher Beraterfirma.

Realistischer ist aber in den meisten Fällen, eher die Erwartungshaltung, dass man hier wieder ganz von vorne und meist ganz unten anfängt. Wer sich da nichts vormacht, wird selten enttäuscht - und wenn es dann besser läuft als erwartet, ist das ja auch kein Fehler.

Und das ist der gemeinsame Nenner der meisten erfolgreichen Auswanderungen nach Neuseeland - egal ob man schon hier war oder nicht. Wer nicht zuviel erwartet, wird selten enttäuscht und wer weiß, dass er selbst unter Inkaufnahme von großen Schwierigkeiten trotzdem unbedingt in Neuseeland leben will, wird in der neuen Heimat in der Regel auch glücklich. Das kann dann sogar dazu führen, dass der Arbeitgeber in Nelson mich anruft und fragt, ob ich nicht noch einen von der Sorte für seine Firma hätte …


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Last updated 8 October 2008

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Die Artikel stammen von Peter Hahn, einem ehemaligen Rechtsanwalt aus Berlin, der seit 15 Jahren in Wellington lebt und dort unter der Firma Hahn & Associates Ltd deutsche Einwanderer und Geschäftsleute berät. Detailliertere Auskünfte gibt es online: Auswandern mit Peter Hahn >



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