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Macht Neuseeland Sinn für mich?
Die meisten Einwanderer in Neuseeland qualifizieren sich aufgrund der sog. Skilled Migrant Category, einem Punktesystem, das Einwanderungsaspiranten je nach Ausbildung, Berufserfahrung, Alter und Jobmöglichkeiten in Neuseeland bewertet. Die nach Ansicht der Einwanderungsbehörde (Immigration New Zealand) besten Kandidaten werden ausgewählt und eingeladen, einen Antrag auf Daueraufenthaltserlaubnis (Permanent Residence) zu stellen.
Die Auswahlkriterien werden von der neuseeländischen Regierung festgelegt, je nach dem, wie viel qualifizierte Einwanderer Neuseeland gerade braucht. Es ist naheliegend, anzunehmen, dass Neuseeland für diejenigen Sinn macht, die sich anhand dieses Punktesystems qualifizieren. Schließlich ist man ja vom neuseeländischen Staat aus einem Pool von Bewerbern ausgewählt und eingeladen worden, einen Antrag auf Permanent Residence zu stellen (sog. Invitation to Apply). Das kann jedoch u.U. ein Trugschluss sein, und zwar aus zweierlei Hinsicht. Erstens ist nicht jeder, dessen Beruf auf der von Immigration New Zealand veröffentlichten Liste genannt wird, für Neuseeland geeignet und zweitens ist nicht jeder, der sich (auf den ersten Blick) nicht qualifiziert, ungeeignet.
Im Vordergrund des Entscheidungsprozesses sollte daher die Frage stehen, ob das Leben (und Arbeiten), wie man es sich in Neuseeland vorstellt, realistisch ist. Wer hier falsche Vorstellungen und Erwartungshaltungen hat, wird später vom Leben (in Neuseeland) leicht enttäuscht und wandert u.U. wieder zurück! Die Frage, ob Neuseeland das Richtige für einen ist, lässt sich aber gar nicht so leicht beantworten. Neuseeland im Internet und Neuseeland im Urlaub sind eben nur "Schnappschüsse", die einen begrenzten Einblick in den neuseeländischen Alltag geben. Denn eines ist sicher, der Alltag holt einen auch in Neuseeland wieder ein - trotz schöner Natur, Meerblick und freundlichen Mitmenschen!
Wer auswandert, möchte in aller Regel sein Leben und das Leben seiner Familie verbessern. Folglich hat man die Erwartungshaltung, dass das Leben in Neuseeland besser ist, als in Deutschland. Auswanderer aus wirtschaftlich schwachen Ländern sind meist bescheiden mit ihren Erwartungen und machen den großen Schritt ins Ungewisse, um ihren Kindern und den nächsten Generationen ein besseres und chancenreicheres Leben zu ermöglichen. Ganz so selbstlos sind die meisten Deutschen nicht - sie wollen ein besseres Leben für sich selber. Die Zukunft der Kinder ist schon wichtig, aber ist nur selten die einzige Motivation.
Neuseeland bietet schöne Natur, besseres Klima, weniger Menschen, freundlichere Atmosphäre, Abgeschiedenheit von den Geschehnissen der Welt und die Hoffnung von Terroranschlägen und Vogelgrippe verschont zu bleiben. Damit ist im Wesentlichen zusammengefasst, worüber sich die meisten Einwanderer - auch noch nach ein paar Jahren Neuseeland - einig sind. In den Bereichen wird die Erwartung daher nur selten enttäuscht.
In beruflicher und geschäftlicher Hinsicht klaffen Vorstellung und Realität allerdings oft auseinander. Auf der einen Seite des Spektrums gibt es die häufig vertretene Einstellung, man habe es in Deutschland geschafft, dann werde man es wohl auch im kleinen Neuseeland schaffen. Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es die - u.a. von Immigration New Zealand geschürte - Erwartungshaltung, dass einem in vielen Berufen hier die Türen offen stehen. Beides ist leider oft falsch!
Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, gekoppelt mit Pioniergeist ist sicher eine gute Voraussetzung, um in Neuseeland Fuß zu fassen. Ob man in Deutschland Erfolg hatte oder nicht, interessiert hier allerdings nur selten jemanden. Was zählt, ist Erfolg in Neuseeland - und den kann man als Neuling eben noch nicht vorweisen. Besonders schlecht kommt der Lehrmeister an, der den unwissenden Kiwis am anderen Ende der Welt erklären will, wie gewisse Dinge am besten zu handhaben sind! Vieles wird in Neuseeland nämlich anders gemacht, als in Deutschland - selbst wenn die deutsche Methode doch so offensichtlich besser ist.
Aber wie steht es mit den Berufslisten, die vom Immigration Service veröffentlicht werden? Sind die dort aufgelisteten Berufe nicht gefragt? Reißen sich die neuseeländischen Arbeitgeber nicht um die gut ausgebildeten Fachkräfte aus Deutschland?
Es stimmt, dass in Neuseeland Fachkräfte gesucht werden. Das Schlagwort heißt "skill shortages". Es vergeht kein Tag, an dem in den Medien hier nicht in irgendeiner Form über die skill shortages berichtet wird. Die Arbeitslosigkeit liegt in den letzten Jahren regelmäßig zwischen 3,4 und 4%, womit Neuseeland, im Wechsel mit Südkorea, entweder an erster oder zweiter Stelle aller OECD-Länder liegt. Die Kehrseite von nahezu Vollbeschäftigung ist allerdings, dass es in manchen Bereichen an Arbeitskräften mangelt. Die neuseeländische Regierung versucht u.a. mit den skill shortages lists gegenzusteuern. Die Listen sind umfang-reich, verwirrend und werden regelmäßig erneuert - oder anders formuliert - sind eben schnell veraltet. Es wird zwischen der sog. Immediate Skill Shortage List und der Long Term Skill Shortage List (zum Teil wird auch der Begriff "absolute skills shortage area" verwendet) unterschieden.
Die Immediate Skill Shortage List ist regional unterschiedlich - also in Auckland z.B. sind Bäcker auf der Liste, während es in Wellington da scheinbar keinen Bedarf gibt. Die Long Term Skill Shortage List gilt für alle Regionen. Die Immediate Skill Shortage List dient der Vereinfachung der Work Permit Anträge (zeitlich befri-stete Arbeitserlaubnis), während die Long Term Shortage List darüber hinaus für Bonuspunkte sorgt (unter gewissen Voraussetzungen) bei Permanent Residence Anträgen (Daueraufenthalts- und Abeitserlaubnis). Auf der Long Term Skill Shortage List sind alleine ca. 60 Berufe aufgelistet. Auf der Immediate Skill Shortage List für z.B. Auckland sind 94 Berufe aufgelistet. Mit anderen Worten, in über 150 Berufen herrscht in Neuseeland "skills shortage". Das ist eine Menge für ein Land mit nur 4 Millionen Einwohnern!
Wenn man sich die Listen genauer anschaut und filtert, dann reduziert sich die Liste allerdings - zumindest für Interessenten aus Deutschland - beträchtlich! Jeden einzelnen Beruf hier zu analysieren würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Stattdessen soll das Prinzip an einigen Beispielen veranschaulicht werden:
Ärzte werden in Neuseeland z.B. dringend gebraucht. Dementsprechend werden auf der Long Term Skill Shortage List gleich neun verschiedene Spezialisierungen, vom praktischen Arzt bis hin zum Chirurgen, gesucht. Problem bei der Sache ist aller-dings, dass man hier in Neuseeland als deutscher Arzt nicht praktizieren darf. Man fängt - selbst als gestandener Arzt - quasi wieder bei Null an und muss in einem aufwendigen Verfahren die Registrierung beim Medical Council betreiben - eine Wissenschaft für sich! Lehrer werden auch gesucht. Hier ist das Verfahren ähnlich wie bei den Ärzten. Man braucht eine Registrierung beim Teachers Council!
Sozialarbeiter stehen auch auf der Long Term Shortage List. Man braucht zwar keine Registrierung, allerdings werden deutsche Sozialarbeiter und Neulinge in Neuseeland kaum Chancen haben, hier einen Job zu finden, da Arbeitgeber auf neuseeländische Erfahrungen und Kenntnisse pochen.
Aufgrund des Baubooms werden in Neuseeland in vielen Regionen auch Bau-Projektmanager gesucht. Aber auch hier werden sich nur die wenigsten Arbeitgeber auf deutsche Bewerber einlassen, da es eineinfach an Neuseelanderfahrung fehlt. Das gilt übrigens für die meisten Manager-Jobs. Es gibt in Neuseeland zwar einige Top-Manager aus dem Ausland, allerdings werden die in der Regel von internationalen Recruitment Companies (Personalbeschaffungsagenturen) aus dem englischsprachigen Ausland rekrutiert.
Trotz aller Vorbehalte hinsichtlich der von Immigration New Zealand veröffentlichten Listen, sind aber nicht alle deutschen Berufe unbrauchbar.
1.Handwerksberufe: In den meisten Handwerksberufen findet man in Neuseeland Arbeit. Verdienen kann man im Angestelltenverhältnis zwischen NZ$ 13 und NZ$ 25 brutto. Das ist nicht viel, aber für die, die fest entschlossen sind und Neuseeland als Ihre neue Heimat auserkoren haben, wenigstens ein Anfang bevor man sich dann später vielleicht selbständig macht, mit besseren Verdienstmöglichkeiten. 2.IT Berufe: Arbeit gibt es auf jeden Fall, allerdings ist es schwieriger, als in den Handwerksberufen, dies in einen Arbeitsvertrag umzumünzen. Viele Arbeitgeber bevorzugen englischsprachige IT-Spezialisten und sind oft nicht bereit, sich auf langfristige Verträge einzulassen, die man für die Einwanderungsforma-litäten braucht. 3.Der Rest: Für fast alle anderen Berufe gilt, wer nicht bereit und in der Lage ist, sich beruflich umzuorientieren, der sollte seine Neuseelandpläne noch mal überdenken.
Wichtig, bei der Frage, ob eine Auswanderung nach Neuseeland für einen in Betracht kommt, ist natürlich auch die Frage, wie viel Geld braucht man als Startkapital? Die Gehälter in Neuseeland sind (in der Regel) niedriger als in Deutschland, insbesondere wenn man neu anfängt. Allerdings kommen die meisten wiederum mit weniger aus, als in Deutschland. Wie viel Geld man braucht, ist individuell sehr unterschiedlich. Die folgenden drei Szenarien veranschaulichen, wie Kapital weiterhelfen kann. >
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Last updated 8 October 2008
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Die Artikel stammen von Peter Hahn, einem ehemaligen Rechtsanwalt aus Berlin, der seit 15 Jahren in Wellington lebt und dort unter der Firma Hahn & Associates Ltd deutsche Einwanderer und Geschäftsleute berät. Detailliertere Auskünfte gibt es online: Auswandern mit Peter Hahn >
NZ$ 1,5 Millionen (ca. 800.000 Euro) und mehr: Das ist der Idealfall. Die meisten Einwanderer finden für $ 500.000 ein sehr ansprechendes Haus in Neuseeland. Die restliche Million kann man dann hier auf der Bank in sichere Festgeldanlagen investieren. Die Bankzinsen sind, verglichen mit Europa, hoch, so dass man auf jeden Fall mit einem Zinsertrag von 7% rechnen kann. Im Jahr hätte man dann ein Bruttoeinkommen von $ 70.000, was deutlich über dem neuseeländischen Durchschnitts-einkommen liegt. Insbesondere, wenn man keine Kosten für die Wohnung hat, können die meisten Familien von $ 70.000 im Jahr bequem leben.
Man kann sich ein Haus leisten: Wohnen ist, gemessen an den Gehältern hier, relativ teuer, weil die Hypothekenzinsen hoch sind. Das macht sich nicht nur bei der Finanzierung eines Hauses bemerkbar, sondern auch bei den Mieten. Wer daher genug Kapital mitbringt, um sich hier ein Haus kaufen zu können, der hat den größten Kostenfaktor in Neuseeland ausgeschaltet.
Wer kein oder nur wenig Geld mitbringt, hat es schwerer und sollte sich fragen, warum er nach Neuseeland auswandern will. Wer, wie viele, dem Stress in Deutschland entfliehen will, der kommt u.U. vom Regen in die Traufe. Was nützt einem die schönste Aussicht, wenn man jeden Tag darum kämpfen muss, zu überleben! Trotzdem lassen sich viele - auch mit wenig Geld - auf das Abenteuer Neuseeland ein, weil der Drang, weg aus Deutschland, einfach zu groß ist. Manchen reicht eben schon ein freundlicheres Arbeitsklima, um glücklich zu werden.
Wer sich also oben wieder erkennt, für den könnte Neuseeland als neue Heimat in Betracht kommen - vorausgesetzt natürlich, die bürokratischen Einwanderungshürden werden auch genommen.
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