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Bleiben sie auch hier?
Eine der Fragen, die mir als so genannter "Neuseeland Experte" immer wieder gestellt wird, ist: "wie viele Deutsche leben in Neuseeland?" oder auch "wie viele Deutsche kommen denn pro Jahr nach Neuseeland?" Und in letzter Zeit auch "wie viele Deutsche gehen denn wieder zurück?" Ich weiche der Antwort meist aus, denn es gibt zwar jede Menge Zahlen, aber leider werden die Fragen damit nicht genau beantwortet.
Schon im 19. Jahrhundert war Neuseeland ein Ziel für Auswanderer aus Deutschland. Damals wie auch heute waren die Deutschen die größte Auswanderergruppe vom europäischen Festland. Zwischen 1843 und 1914 sollen mindestens 10.000 Deutsche aus vorwiegend Norddeutschland eingewandert sein.* Im Jahre 1901 sollen bei einer Volkszählung 4.217 angegeben haben, in Deutschland geboren zu sein.*
Die Zahlendiskrepanz wird sowohl eine Folge der Ungenauigkeit statistischer Daten sein, als auch damit zusammenhängen, dass viele Deutsche wieder abgewandert sind (nicht unbedingt nach Deutschland, sondern auch Australien) und eben Abenteurer waren, wie z.B. die vielen deutschen Goldgräber, die während des neuseeländischen Goldrauschs in den 1860er Jahren in Neuseeland waren.
In der letzten Volkszählung im Jahre 2006 haben auf die Frage, welcher Volksgruppe sie sich zuordnen würden, 10.917 Befragte "Deutsch" angegeben, wobei es möglich war, sich mehreren Volksgruppen zuzuordnen. Im Jahre 2001 waren es 9.057. Tendenz also in den letzten Jahren steigend.
Hier sind noch mehr Zahlen: 1992 sind 398 Deutsche in Neuseeland angekommen, mit der Absicht, langfristig hier zu bleiben. Wenn Sie nach Neuseeland fliegen, bekommen Sie vor der Ankunft in Neuseeland einen Fragebogen, auf dem Sie angeben sollen, ob Sie nur kurz als Tourist hier einreisen oder langfristig hier bleiben wollen. Auf diesen Angaben basieren die folgenden Zahlen:
In den letzten Jahren haben die Ankünfte der Deutschen, die dauerhaft hier bleiben wollen, also drastisch zugenommen. Ob von denen dann alle hier bleiben - darüber gibt es leider keine Zahlen. Insgesamt verlassen pro Jahr cirka 45.000 Neuseeländer das Land für länger oder immer (http://www. population. govt.nz/myth-busters/MythDiaspora.htm). Wie viele davon deutsche Rückkehrer sind, weiß man nicht.
Wenn man die Ankunftszahlen der letzten 8 Jahre zusammenzählt, dann sind das allein schon über 12.000 Deutsche - also deutlich mehr als die Zahl aus der letzten Volkszählung.
Eine weitere Schwierigkeit ist, dass schon die Fragestellung "wie viel Deutsche" nicht ganz eindeutig ist. Was ist Deutsch? Das reine Zugehörigkeitsgefühl, wie in der Volkszählung? Die Tatsache, dass man in Deutschland geboren ist, dass man einen deutschen Pass, deutsche Eltern oder deutsche Vorfahren hat? Alles nicht ganz eindeutig! Es gibt also Grund genug, die Frage ausweichend zu beantworten. Hier sind ein paar Fakten, die auch ohne Zahlen auskommen: Fest steht, dass der Anteil der Deutschen verschwindend gering ist im Vergleich zu denen, die aus Großbritannien oder Asien kommen.
Tatsache ist aber auch, dass die Einwanderung aus Deutschland zunimmt, dass mehr Deutsche hier bleiben, als weggehen. Es stimmt sicher auch, dass über die Generationen die Deutschen sich eher als Neuseeländer fühlen und sich nicht mehr unbedingt dem deutschen Volksstamm zuordnen - mit anderen Worten, sie sind integriert, haben vielleicht noch einen deutschen Namen, aber wissen unter Umständen schon gar nicht mehr, wie man den korrekt ausspricht.
Integration wird im Allgemeinen positiv gewertet, so dass man daraus schließen könnte, dass die deutschen Einwanderer erfolgreiche Einwanderer sind. Trotzdem gibt es aber immer wieder welche, die zurückkehren. Wie schon mehrfach in diversen Artikeln angesprochen, ist der Grund dafür in der Regel eine falsche Erwartungshaltung.
Die Vorstellung, die man sich von Neuseeland (von Deutschland aus) gemacht hat, stimmt mit der Realität, die man vorfindet, nicht überein. Je besser man sich über Neuseeland und was einen hier erwartet, informiert, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass man unzufrieden wieder zurückkehrt. Aber auch die beste Vorbereitung reicht unter Umständen nicht aus, wie ich kürzlich bei einem meiner Kunden erfahren musste. Eine vierköpfige Familie aus Hamburg die schon ein Jahr hier lebt, hat jetzt die Koffer gepackt und geht zurück. Grund: die Kinder, die beide im Teenager Alter sind, konnten sich einfach nicht einleben - oder wie die Eltern sich ausdrückten: es war einfach kein Integrationswille da!
Die Kinder sind normalerweise die ersten, die sich einleben - meist sind es die Eltern, die Zeit brauchen, um sich der neuen Kultur und Sprache anzupassen. Bei Teenagern gelten aber andere Regeln - da steckt man einfach nicht drin - da hilft auch die beste Vorbereitung nicht. Vier statistische Leichen mehr - Schade!
* Zahlen und Infos stammen von James N. Bade aus dem Buch Settler and Migrant Peoples of New Zealand, erschienen 2006 im Bateman Verlag
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Last updated 8 October 2008
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Der Artikel stammt von Peter Hahn, einem ehemaligen Rechtsanwalt aus Berlin, der seit 16 Jahren in Wellington lebt und dort unter der Firma Hahn & Associates Ltd deutsche Einwanderer und Geschäftsleute berät. Detailliertere Auskünfte gibt es online: Auswandern mit Peter Hahn >
Deutsche Immigration nach Neuseeland
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