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Neues Neuseeland-Buch
Das neue Buch von Ingo Petz, "Kiwi Paradise: Reise in ein verdammt gelassenes Land" erzählt die Geschichte seines ersten Auswanderungsversuches und seiner Reisen in einem Land am anderen Ende der Welt. Er wollte der Weltgeschichte und dem Stress entfliehen und die Kunst der Gelassenheit erlernen. Also hat er seinen Job und seinen Bausparvertrag gekündigt und ist ausgewandert – in das Land, das die Gelassenheit und Unbedarftheit zu seiner Religion erhoben hat, nach Neuseeland.
Doch abgelegene Länder und extreme Landschaften gebären seltsame Charaktere, sie sind ein Spielplatz der Skurrilitäten und Grotesken. Und so handelt Ingo Petz’ Buch von dem »anderen«, dem abseitigen Neuseeland. Dem Neuseeland der philosophierenden Cowboys und wortkargen Buschmän-ner, der schrulligen Auswanderer und der aus der Welt gefallenen Paradiesvögel.
Er schreibt: Neuseeland ist nicht nur ein Land der fantastischen Landschaften und großen Steaks. Es ist vor allem ein Land, das aus seiner Sehnsucht, seiner Abgeschiedenheit und Abseitigkeit einen Großteil seiner Lebenskraft bezieht. Die Grenze der Existenz, der Horizont der Möglichkeiten ist in Neuseeland nie weit entfernt. Unter diesen extremen Bedingungen werden bizarre und bodenständige Lebensformen gebo-ren, die sich dennoch durch eine extreme Zufriedenheit auszeichnen.
Um diesen zu begegnen bin ich mit Delfinen geschwommen, habe Urwälder durchkämmt, bin auf Segelboote gestiegen, nach Hobbingen gefahren, durch Suburbs spaziert und in die entlegensten Orte gefahren. Dabei habe ich unter anderem den letzten Abenteurer Sir Edmund Hillary getroffen, habe mit Neuseelands Nationaldichter Sam Hunt Tischtennis gespielt und mit dem Chef des Mini-Landes Tokelau Rum getrunken. Immer mit der Frage im Gepäck, ob das Glück am anderen Ende der Welt ein spezielles ist.
Droemer-Leseprobe
Am 5. Juni 1992, gegen 15 Uhr, trat das Paradies in mein Leben. Ich hatte gerade Dosen-Bohnen gegessen, Büchsenbier getrunken und mit Jimi, einem echten Motorradrocker aus Rumänien, auf Brüderschaft angestoßen. Wie sich das für echte Rocker gehörte, nicht mit Jack Daniels, sondern mit einem Kräuterschnaps, der nach Kettenöl schmeckte. Nach zwei Tagen Rockfestival in der Hocheifel war ich ziemlich bedröhnt, Wachkoma sozusagen. Ich hatte drei Tage nicht geduscht, zudem zwei Nächte in derselben Unterhose geschlafen. Auch meine schweren Stiefel hatte ich seit meiner Ankunft im Zeltlager nicht ausgezogen. Meine Füße schwitzten, meine Sinne waren trüb, meine Augen müde. Der aschgraue Himmel schüttete seine Wasserkübel über den Tannenwäldern am Nürburgring aus und über uns. Wenn ich das Paradies gewesen wäre, hätte ich mir einen besseren Tag ausgesucht.
Wir standen vor der Festivalbühne und erwarteten eine unserer Lieblingsbands, an deren Namen ich mich seltsamerweise nicht mehr erinnern kann. Von dieser Band erhofften wir uns - daran kann ich mich erinnern - ein ordentliches Gitarrengewitter und Trommelgedonner, zu dem wir unsere Köpfe wie eine Waschmaschine im Turbolauf schütteln würden. Damals war das für mich das große Glück, auch wenn ich es so nicht genannt hätte. Denn Glück klang zu sehr nach Blumen und Hippies. Auf der verregneten Bühne erschienen dann aber zwei Typen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Sie lächelten unverschämt zufrieden und begannen das Festivalvolk mit seltsam glänzenden Augen, strahlenden Akustikgitarren und einem klebrigen Netz aus Lalala-Melodien und Trallalala-Refrains einzufangen. Für mich klang das verdächtig nach den Beatles und damit nach guter Laune. Beides Dinge, die ich damals für eher unnötige Erfindungen in der Menschheitsgeschichte hielt.
Uns überraschte nur, wie selbstbewusst und unbedarft die Typen ihre gute Laune propagierten. Überraschte war gar kein Ausdruck. Wir waren zutiefst schockiert. Offensichtlich meinten die es ernst. Was das Ganze für uns nur noch unerträglicher machte. Die wussten wohl nicht, dass sie sich im Land von Nietzsche, Schopenhauer und anderen Pessimisten und Tiefschürfern befanden. Einem Land, in dem die Bahn immer zu spät kam und der kleine Mann der Doofe war. Kurzum: ein Land, das am Abgrund stand. "Wie sind die denn drauf?", raunte mein Metal-Bruder voller Ablehnung. "Die kommen wohl von einem anderen Planeten", stimmte ich grimmig ein. Wie recht ich behalten sollte. "Die sind aus Australien", belehrte mich meine Nachbarin, eine große Brünette, obwohl sie nicht gefragt worden war.
"Falsch, die sind aus Neuseeland", korrigierte eine kleine Blonde mit schönen Augen und saftigen Lippen. Ich schaute sie fragend an und verpasste es dann mit einem muffeligen "Aha" wie üblich, in ein aussichtsreiches Abenteuer einzusteigen. Immerhin lernte ich so schon, dass Neuseeland und Australien in einer interessanten Verbindung zueinander zu stehen schienen. Aber Neuseeland existierte in meinem damaligen Universum nicht. Das lag schließlich, soviel ich wusste, irgendwo südlich und war viel zu weit weg für jemanden, der seine Urlaube in Holland am Bunsenbrenner verbracht hatte. Neuseeland bedeutete Süden, Sonne und Strand, was nichts für mich war. Immerhin verstand ich aber, dass Süden, gute Laune und Frauen irgendwie zusammenhingen, was mir damals schon latente Sorgen bereitete, wenn ich über die Aussichten eines erfüllten Liebeslebens nachdachte.
Wie Schafe in einem Gatter standen wir eingepfercht im Menschenpulk, während wir immer noch mit missmutigen Mienen auf die Ausgeburt des fröhlichen Optimismus starrten und das Wunderliche weiter seinen Lauf nahm. Als diese Band, die sich "Crowded House" nannte, den Song "Weather with You" anstimmte, passierte genau das, was der Titel so großspurig versprach: Die Sonne lugte für einen kurzen Moment hinter den schweren schwarzen Wolken hervor und warf ihre grellen Strahlen über die nasse Menschenmasse. Das Publikum jaulte vor Freude und jubelte ekstatisch, als sei der Heilige Geist in sie gefahren. Dieser effektive Optimismus imponierte selbst uns, die wir Wundern eher skeptisch gegenüberstanden. "Respekt. Überzeugende Show", meinte mein Metal-Bruder und nahm einen Schluck billigen Sangria. Die Menschen strahlten der Bühne sehnsüchtig, fast berauscht entgegen, als wäre ihnen der Sie-wissen-schon-Wer erschienen.
Diesen Blick der dusseligen Glückseligkeit sollte ich später immer dann ernten, wenn ich erzählte, dass ich in Neuseeland gelebt hätte, in dem Land also, das als Paradies durch Reisekataloge, Diavorträge, deutsche Sehnsüchte und neuerdings auch durch das öffentlich-rechtliche TV-Seifenopernprogramm geisterte. Dann würde den Menschen ein seufzendes Oh und Ah entfahren. So als wäre Neuseeland der Heilsbringer, der Erlöser, das Patentrezept gegen Depression und Gefängnisse im Kopf, das Allheilmittel gegen den inneren Schweinehund und die große Angst vor dem Chaos, vor der Unordnung, vor dem Leben und seinen bösen Nickeligkeiten. So als wäre Neuseeland die große Freiheit, die sich im Urlaub bequem bestaunen lässt - wie ein Ausstellungsstück in einem Museum. Dabei weiß doch jedes Kind, dass die Freiheit lediglich ein goldener Käfig mit Aussicht aufs Meer ist.
Wenn ich dann aber erzählte, dass ich es da in diesem Sehnsuchtsland nicht ausgehalten hätte, würden sie mich mit mitleidsvollem Blick anstarren und sagen: "Warum das denn nicht? Das ist doch so schön da." Das Buch "Kiwi Paradise: Reise in ein verdammt gelassenes Land" ist bei Droemer/München erschienen. Foto: Autor Ingo Petz
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Last updated 10 March 2010
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Meine neue Heimat
Die Deutsche Magdalene Specht, die in Neuseeland lebt, hat darüber ein Buch geschrieben: “Ausgewandert - Meine neue Heimat Neuseeland.” Hier ein kurzer Auszug aus dem Inhalt:
Die Autorin lädt ein, in das Land ihrer Träume zu folgen, das sie nach ihrer Auswanderung fand. Es ist ein Vergnügen, mit ihr auf Entdeckungstour zu gehen, einzutauchen in die Geschichte, Natur und Gegenwart eines so fernen Landes, das Magdalene Specht fest in ihr Herz geschlossen hat.
Voller Neugier hat sie das Land mit Leib und Seele erobert und vermittelt mit Begeisterung ihre persönlichen Erlebnisse, schildert ihre Wanderungen durch die Nationalparks und berichtet von den Mythen und Legenden der Ureinwohner, den Maori. Entstanden ist ein umfassendes Bild von der Landschaft, den Einwohnern der Inselwelt Neuseelands und ihren Lebensbedingungen.
WO IST "AUSGEWANDERT" ERHÄLTLICH? Das Buch von Magdalene Specht ist im Cornelia Goethe Literaturverlag erschienen und ist in jeder guten Buchhandlung in Deutschland erhältlich. Bestellung über Verlagsauslieferung, Hirschgraben 15, D-60311 Frankfurt/Main. In Neuseeland über: M. Specht, 8/126 Whangapaparoa Rd., Red Beach, Orewa. Email » |
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