Travel & Lifestyle magazinNeuseeland News

FEATURES

PRODUKT INFOS Deutsch
PREMIER LISTINGS




LINK LISTINGS


BUSINESS LISTINGS


Sie suchen nach günstigen Hotels in Neuseeland? Dann gleich Hotelpreise vergleichen: alle Preise, alle Anbieter, alle Angebote.

KIWI PARADISE: REISE IN EIN VERDAMMT GELASSENES LAND

Neues Neuseeland-Buch "fast ohne öde Landschaftsbeschreibungen"

Das neue Buch von Ingo Petz, "Kiwi Paradise: Reise in ein verdammt gelassenes Land" erzählt die Geschichte seines ersten Auswanderungsversuches und seiner Reisen in einem Land am anderen Ende der Welt. Er wollte der Weltgeschichte und dem Stress entfliehen und die Kunst der Gelassenheit erlernen. Also hat er seinen Job und seinen Bausparvertrag gekündigt und ist ausgewandert – in das Land, das die Gelassenheit und Unbedarftheit zu seiner Religion erhoben hat, nach Neuseeland.

Doch abgelegene Länder und extreme Landschaften gebären seltsame Charaktere, sie sind ein Spielplatz der Skurrilitäten und Grotesken. Und so handelt Ingo Petz’ Buch von dem »anderen«, dem abseitigen Neuseeland. Dem Neuseeland der philosophierenden Cowboys und wortkargen Buschmän-ner, der schrulligen Auswanderer und der aus der Welt gefallenen Paradiesvögel.

Er schreibt: Neuseeland ist nicht nur ein Land der fantastischen Landschaften und großen Steaks. Es ist vor allem ein Land, das aus seiner Sehnsucht, seiner Abgeschiedenheit und Abseitigkeit einen Großteil seiner Lebenskraft bezieht. Die Grenze der Existenz, der Horizont der Möglichkeiten ist in Neuseeland nie weit entfernt. Unter diesen extremen Bedingungen werden bizarre und bodenständige Lebensformen gebo-ren, die sich dennoch durch eine extreme Zufriedenheit auszeichnen.

Um diesen zu begegnen bin ich mit Delfinen geschwommen, habe Urwälder durchkämmt, bin auf Segelboote gestiegen, nach Hobbingen gefahren, durch Suburbs spaziert und in die entlegensten Orte gefahren. Dabei habe ich unter anderem den letzten Abenteurer Sir Edmund Hillary getroffen, habe mit Neuseelands Nationaldichter Sam Hunt Tischtennis gespielt und mit dem Chef des Mini-Landes Tokelau Rum getrunken. Immer mit der Frage im Gepäck, ob das Glück am anderen Ende der Welt ein spezielles ist.

Droemer-Leseprobe

Am 5. Juni 1992, gegen 15 Uhr, trat das Paradies in mein Leben. Ich hatte gerade Dosen-Bohnen gegessen, Büchsenbier getrunken und mit Jimi, einem echten Motorradrocker aus Rumänien, auf Brüderschaft angestoßen. Wie sich das für echte Rocker gehörte, nicht mit Jack Daniels, sondern mit einem Kräuterschnaps, der nach Kettenöl schmeckte. Nach zwei Tagen Rockfestival in der Hocheifel war ich ziemlich bedröhnt, Wachkoma sozusagen. Ich hatte drei Tage nicht geduscht, zudem zwei Nächte in derselben Unterhose geschlafen. Auch meine schweren Stiefel hatte ich seit meiner Ankunft im Zeltlager nicht ausgezogen. Meine Füße schwitzten, meine Sinne waren trüb, meine Augen müde. Der aschgraue Himmel schüttete seine Wasserkübel über den Tannenwäldern am Nürburgring aus und über uns. Wenn ich das Paradies gewesen wäre, hätte ich mir einen besseren Tag ausgesucht.

Wir standen vor der Festivalbühne und erwarteten eine unserer Lieblingsbands, an deren Namen ich mich seltsamerweise nicht mehr erinnern kann. Von dieser Band erhofften wir uns - daran kann ich mich erinnern - ein ordentliches Gitarrengewitter und Trommelgedonner, zu dem wir unsere Köpfe wie eine Waschmaschine im Turbolauf schütteln würden. Damals war das für mich das große Glück, auch wenn ich es so nicht genannt hätte. Denn Glück klang zu sehr nach Blumen und Hippies. Auf der verregneten Bühne erschienen dann aber zwei Typen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Sie lächelten unverschämt zufrieden und begannen das Festivalvolk mit seltsam glänzenden Augen, strahlenden Akustikgitarren und einem klebrigen Netz aus Lalala-Melodien und Trallalala-Refrains einzufangen. Für mich klang das verdächtig nach den Beatles und damit nach guter Laune. Beides Dinge, die ich damals für eher unnötige Erfindungen in der Menschheitsgeschichte hielt.

Uns überraschte nur, wie selbstbewusst und unbedarft die Typen ihre gute Laune propagierten. Überraschte war gar kein Ausdruck. Wir waren zutiefst schockiert. Offensichtlich meinten die es ernst. Was das Ganze für uns nur noch unerträglicher machte. Die wussten wohl nicht, dass sie sich im Land von Nietzsche, Schopenhauer und anderen Pessimisten und Tiefschürfern befanden. Einem Land, in dem die Bahn immer zu spät kam und der kleine Mann der Doofe war. Kurzum: ein Land, das am Abgrund stand. "Wie sind die denn drauf?", raunte mein Metal-Bruder voller Ablehnung. "Die kommen wohl von einem anderen Planeten", stimmte ich grimmig ein. Wie recht ich behalten sollte. "Die sind aus Australien", belehrte mich meine Nachbarin, eine große Brünette, obwohl sie nicht gefragt worden war.

"Falsch, die sind aus Neuseeland", korrigierte eine kleine Blonde mit schönen Augen und saftigen Lippen. Ich schaute sie fragend an und verpasste es dann mit einem muffeligen "Aha" wie üblich, in ein aussichtsreiches Abenteuer einzusteigen. Immerhin lernte ich so schon, dass Neuseeland und Australien in einer interessanten Verbindung zueinander zu stehen schienen. Aber Neuseeland existierte in meinem damaligen Universum nicht. Das lag schließlich, soviel ich wusste, irgendwo südlich und war viel zu weit weg für jemanden, der seine Urlaube in Holland am Bunsenbrenner verbracht hatte. Neuseeland bedeutete Süden, Sonne und Strand, was nichts für mich war. Immerhin verstand ich aber, dass Süden, gute Laune und Frauen irgendwie zusammenhingen, was mir damals schon latente Sorgen bereitete, wenn ich über die Aussichten eines erfüllten Liebeslebens nachdachte.

Wie Schafe in einem Gatter standen wir eingepfercht im Menschenpulk, während wir immer noch mit missmutigen Mienen auf die Ausgeburt des fröhlichen Optimismus starrten und das Wunderliche weiter seinen Lauf nahm. Als diese Band, die sich "Crowded House" nannte, den Song "Weather with You" anstimmte, passierte genau das, was der Titel so großspurig versprach: Die Sonne lugte für einen kurzen Moment hinter den schweren schwarzen Wolken hervor und warf ihre grellen Strahlen über die nasse Menschenmasse. Das Publikum jaulte vor Freude und jubelte ekstatisch, als sei der Heilige Geist in sie gefahren. Dieser effektive Optimismus imponierte selbst uns, die wir Wundern eher skeptisch gegenüberstanden. "Respekt. Überzeugende Show", meinte mein Metal-Bruder und nahm einen Schluck billigen Sangria. Die Menschen strahlten der Bühne sehnsüchtig, fast berauscht entgegen, als wäre ihnen der Sie-wissen-schon-Wer erschienen.

Diesen Blick der dusseligen Glückseligkeit sollte ich später immer dann ernten, wenn ich erzählte, dass ich in Neuseeland gelebt hätte, in dem Land also, das als Paradies durch Reisekataloge, Diavorträge, deutsche Sehnsüchte und neuerdings auch durch das öffentlich-rechtliche TV-Seifenopernprogramm geisterte. Dann würde den Menschen ein seufzendes Oh und Ah entfahren. So als wäre Neuseeland der Heilsbringer, der Erlöser, das Patentrezept gegen Depression und Gefängnisse im Kopf, das Allheilmittel gegen den inneren Schweinehund und die große Angst vor dem Chaos, vor der Unordnung, vor dem Leben und seinen bösen Nickeligkeiten. So als wäre Neuseeland die große Freiheit, die sich im Urlaub bequem bestaunen lässt - wie ein Ausstellungsstück in einem Museum. Dabei weiß doch jedes Kind, dass die Freiheit lediglich ein goldener Käfig mit Aussicht aufs Meer ist.

Wenn ich dann aber erzählte, dass ich es da in diesem Sehnsuchtsland nicht ausgehalten hätte, würden sie mich mit mitleidsvollem Blick anstarren und sagen: "Warum das denn nicht? Das ist doch so schön da." Das Buch "Kiwi Paradise: Reise in ein verdammt gelassenes Land" ist bei Droemer/München erschienen. Foto: Autor Ingo Petz

WO ZUM TEUFEL LIEGT HERBERTVILLE?

Neues Neuseeland-Buch im MANA-Verlag

Die unverschämteste Lüge der Welt ist: "Die schönste Tageswanderung der Welt ist die Tongariro Crossing." Dieser einfach verlockend klingende Satz in meinem Reiseführer bildete den fatalen Ausgangspunkt eines Abenteuers, in dessen Verlauf ich folgende Erfahrung machen musste: der Begriff "schön" ist an subjektive Empfindungen und Erfahrungen geknüpft. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, dass das, was als "Wanderung" bezeichnet wird, in Wirklichkeit ebenfalls nicht den eigenen Erwartungen entspricht.

In meinem persönlichen Reiseführer würde der oben zitierte Satz folgendermaßen lauten: "Die lebensgefährlichste Odyssee auf diesem Planeten ist die Tongariro Crossing bei schlechtem Wetter." Gelegentlich neige ich gern zu Übertreibungen, natürlich würden ein Messner oder Egmont angesichts der Widrigkeiten gelangweilt gähnen. Wir sprechen hier aber nicht von irgendwelchen Expeditionen ohne Sauerstoffmaske im Himalaja oder von Einhandsegeln in der Arktis, sondern von einer Tour, die als "die schönste Tageswanderung der Welt" in einem stinknormalen Reiseführer für stinknormale Wanderer angepriesen wird.

Die Tongariro Crossing ist die Überquerung eines Vulkanmassivs durch unterschiedliche Vegetationszonen, Lavawüsten und vulkanisches Gelände, vorbei an Kraterseen sowie vulkanischen Quellen und Bächen. Da die Sichtweite bei meinem morgendlichen Aufbruch deutlich unter zehn Metern lag, kann ich beim besten Willen nicht sagen, ob die Sehenswürdigkeiten, die ich meinem Reiseführer entnommen hatte, tatsächlich dort zu sehen sind.

Der Regen kam von der Seite und nach etwa 30 Minuten war ich bis auf die Haut durchgeweicht. Die Temperatur war auf circa drei Grad gefallen und es blies ein starker Westwind. Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich nach einer halben Stunde die Nase gestrichen voll hatte und übelste Verwünschungen gegen meine eigene Dämlichkeit von mir gab. Aber niemand hörte mich und selbst wenn - von den Hardcorewanderern, die dort unterwegs waren, hätte sich niemand für mich interessiert.

Doch wie das dann halt bei großstädtischen Weicheiern so ist, irgendwann packt sie der Ehrgeiz und sie erinnern sich, was für harte Asphaltcowboys sie in den Achtzigern waren. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: nach zwei Stunden steilem Aufstieg - mein Herz rasselte wie eine alter Trecker, ich wurde ständig von Wanderern im Laufschritt überholt, die mindestens 25 Jahre älter, aber fitter als ich waren und ich konnte dieses frustrierende Erlebnis nicht einmal richtig auskosten, weil ich zu sehr mit Luftholen beschäftigt war - erreichte ich den Kraterrand, auf dem man etwa 400 Meter entlanglaufen musste, um zum Abstieg zu gelangen. Rechts geht es 300 Meter tief in den Krater und links 1.000 Meter ins Tal hinab. Zum Glück konnte man nur 10 Meter weit sehen. Im Grunde genommen kein Problem, aber bei Windgeschwindigkeiten von circa 120 Stundenkilometern war das alles andere als ein Spaziergang.

Für die 400 Meter brauchte ich fast eine Stunde - auf dem Boden kriechend, weil ich sonst in den Krater geweht worden wäre. Da ich eine grün-braune Tarnjacke anhatte, die sich perfekt in die Umgebung einpasste, hätte man in diesem Fall meine Leiche wohl erst im Frühjahr bergen können. Nach sieben Stunden hatte ich das Tongariro-Vulkanmassiv überquert und ähnlich wie beim Motorradfahren bei schlechten Bedingungen war ich stolz, das mitgemacht zu haben, denn es war schön. Irgendwie jedenfalls.

MANA-VERLAG - Bücher aus und über Neuseeland, Australien, Südsee
Email: mail@mana-verlag.de, Web:
www.mana-verlag.de,
Tel.: 030 - 40 30 38 05,
Fax : 030 - 40 37 59 95, MANA-Verlag »


Copyright © NEUSEELAND-AUSTRALIEN-PAZIFIK NEWS
Disclaimer
Last updated 18 November 2008

ABENTEUER-TRIP DURCH AUSTRALIEN ZU GEWINNEN!

Mit etwas Glück können Sie das ultimative Australien-Abenteuer gewinnen, und zwar in Begleitung.
Australien News »

FIDSCHI-FEATURE

Sehnsuchts-Inseln im glitzernden Sonnenlicht, kühlende Meeresbrisen, lächelnde Menschen und Nahrung im Überfluss. Aber Fidschi ist mehr. Fidschi-Feature »
MULTIMEDIA

5 KIWI PARADISE-BÜCHER ZU GEWINNEN!

Bestellen Sie bis zum 30. November 08 Ihr neues Jahresabo für die NN-Druckausgaben exklusiv aus Neuseeland für nur € 25 (6 Ausgaben) und mit etwas Glück können Sie eines dieser ausgefallenen Neuseeland-Bücher gewinnen (unter allen neu abgeschlossenen Abos entscheidet das Los - Rechtsweg ausgeschlossen)

Bestellen Sie Ihr neues Jahres-Abo hier: Bestell-Coupon »

AUSGEWANDERT

Meine neue Heimat Neuseeland

Die Deutsche Magdalene Specht, die in Neuseeland lebt, hat darüber ein Buch geschrieben: “Ausgewandert - Meine neue Heimat Neuseeland.” Hier ein kurzer Auszug aus dem Inhalt:

Die Autorin lädt ein, in das Land ihrer Träume zu folgen, das sie nach ihrer Auswanderung fand. Es ist ein Vergnügen, mit ihr auf Entdeckungstour zu gehen, einzutauchen in die Geschichte, Natur und Gegenwart eines so fernen Landes, das Magdalene Specht fest in ihr Herz geschlossen hat.

Voller Neugier hat sie das Land mit Leib und Seele erobert und vermittelt mit Begeisterung ihre persönlichen Erlebnisse, schildert ihre Wanderungen durch die Nationalparks und berichtet von den Mythen und Legenden der Ureinwohner, den Maori. Entstanden ist ein umfassendes Bild von der Landschaft, den Einwohnern der Inselwelt Neuseelands und ihren Lebensbedingungen.

WO IST "AUSGEWANDERT" ERHÄLTLICH?

Das Buch von Magdalene Specht ist im Cornelia Goethe Literaturverlag erschienen und ist in jeder guten Buchhandlung in Deutschland erhältlich. Bestellung über Verlagsauslieferung, Hirschgraben 15, D-60311 Frankfurt/Main. In Neuseeland über: M. Specht, 8/126 Whangapaparoa Rd., Red Beach, Orewa. Email »

FÜR IMMER NEUSEELAND

MANA-Buch übers Auswandern

An einem Donnerstag kauften sie die Zeitschrift, am Freitag kündigten sie ihre Jobs. Ein paar Wochen später waren sie tatsächlich weg. Von mindestens zwei Familien weiß ich, bei denen es genau so lief: sie hatten zufällig eine Reportage über Auswanderer gelesen, zufällig eine von mir. Und selten war ich über die Wirkung von ein paar harmlosen Zeilen so erschrocken.

Es stand sicher nichts Falsches in dem Artikel, ein paar Eindrücke, Erfahrungen, Tipps - alles sauber vor Ort recherchiert. Und trotzdem: Man kann doch nicht Hals über Kopf die Koffer packen und sein ganzes Leben umkrempeln, nur weil irgendetwas in der Zeitung steht!

Sie waren vorher nie in Neuseeland. Sie hatten keine Ahnung, ob das Land auf Lkw-Fahrer oder arbeitslose Bauzeichner wartet. Sie sprachen so gut Englisch wie ihre kleinen Kinder gerade ihre ersten Worte Deutsch. Sie hatten nicht genug Geld, um es dort erst mal ruhig angehen zu lassen, sondern gerade genug für den Container und vielleicht ein, zwei Monate vor Ort. Sie hatten nicht mal eine konkrete Vorstellung oder den Finger schon ewig auf der anderen Hälfte des Globus. Sie hatten es einfach satt.

Heimatfrust ist immer noch das häufigste Motiv für Auswanderer: Schlechtes Wetter, das wirtschaftliche Klima kaum besser, kurze Tage, lange Winter und das Gefühl, dass sich nicht mehr viel bewegt im eigenen Leben oder dort, wo man bisher zu Hause war. An trüben Novembertagen ist die Sehnsucht nach der Fremde sogar messbar. Dann schießen die Seitenzähler im Internet plötzlich in die Höhe, wühlen sich Tausende Mitteleuropäer gleichzeitig durch Foren und Infoseiten - suchen, schwärmen, träumen. Neuseeland steht bei vielen ganz oben auf der Wunschliste. Trotzdem bleibt es für die meisten beim Konjunktiv: “eigentlich müsste man auswandern.”

Umfragen zufolge sehnt sich jeder dritte Mitteleuropäer nach einem besseren Leben an einem besseren Ort. Dass viele trotzdem zögern hat viele gute Gründe: den Beruf oder das Häuschen, Kinder oder eigene Eltern, die nicht jünger werden, die Sprache, die Anerkennung der Ausbildung, das sich ständig ändernde Punktesystem - vor allem aber die Angst vor dem, was einen wirklich erwartet.

Kein Ratgeber kann diese Erfahrung ersetzen, vorweg nehmen oder fahrlässig ausblenden. Deshalb geht es in diesem Buch vor allem um Leute, die den entscheidenden Schritt schon hinter sich haben. Sie wissen am Besten, was alles schief gehen kann, wo Fehler und Enttäuschungen lauern, welche Träume wahr werden und was womöglich noch viel besser lief, als in der kühnsten Vorstellungen erhofft.

Kombiniert mit den Ratschlägen von Peter Hahn, der Einwanderer seit Jahren nicht nur bei dem komplizierten Prozedere vorab sondern später auch noch vor Ort berät, soll es wenigstens die Entscheidung erleichtern, die man nur einmal im Leben trifft und die mit dem Antrag auf ein Visum noch lange nicht ausgestanden ist. Denn dann geht das Abenteuer erst richtig los.

Muss man wirklich alle Brücken abbrechen, um sich auf die neue Heimat richtig einlassen zu können - oder darf man auch heimlich eine Rückfahrkarte in der Tasche haben? Soll oder muss man auch die Staatsbürgerschaft ändern? Wie ist das mit den Ansprüchen aus Renten- und Sozialversicherung? Selbst scheinbar simple Fragen wie die, ob der Hund mit darf oder der Stecker vom Kühlschrank noch passt, treten irgendwann auf.
Natürlich wird es auch Anfälle von Heimweh, Reue und Zweifel geben. Nicht zuletzt deshalb ist eine der wichtigsten Fragen, ob Neuseeland wirklich das richtige Land ist - oder besser selbstkritisch: bin ich der Richtige für Neuseeland? Oft sind es gerade diejenigen, die vor einem 18-Stunden-Job in Europa flüchten, denen es schwer fällt, die eigenen Ansprüche an Arbeit und Einkommen tatsächlich herunter zu schrauben, denen die Bodenständigkeit der neuen Heimat schnell auf die Nerven geht und die erst nach ein paar Monaten merken, dass ihnen Freundschaften fehlen, wie sie das kannten, Verwandte und schriftliche Verträge - dass es eben nicht nur etwa 20 000 Kilometer sind.

Neuseeland verspricht ein Stück heile Welt. Viel Natur und ein ruhigeres Leben. Alles Klischees, alles wahr und doch ganz anders. Selbst, dass es weiter weg von zu Hause kaum geht, zählen viele noch zu den Vorteilen, und merken dann, dass das Ende der Welt letztlich auch nur eine Frage des Standorts ist: das Gefühl, weg zu sein, verfliegt schnell - das Ankommen dauert länger. Der schönste Strand wird irgendwann langweilig. Und wer gar vor persönlichen Problemen flüchtet, wird sie wahrscheinlich mit nach Neuseeland nehmen.

Dass es nicht auf das Weggehen ankommt sondern auf das Ankommen, haben auch die beiden Familien schnell gemerkt, die nach dem Artikel ihre Sachen für immer gepackt haben. Das mit der Arbeit hatten sie sich einfacher vorgestellt und haben in ungeheizten Häusern gefroren. Sie sind mehrmals umgezogen und hatten immer Angst, wenn das Telefon klingelte. Entweder war die weinende Schwiegermutter in Deutschland dran oder eine Arbeitsvermittlerin, bei der sie kein Wort verstanden außer den letzten Satz: sie sollten sich doch wieder melden, wenn sie besser Englisch könnten. Sie haben gekämpft, gehadert und sich schließlich selbstständig gemacht. Bereut haben sie es nie. Holger Witzel




Neuseeland News Australien News Pazifik News