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NEUSEELANDS WILDE WESTKÜSTE

Goldrausch in Shantytown

Shantytown-Foto: Besucher versuchen ihr Glück mit historischen Goldpfannen

Ein Schild am Eingang von Shantytown bringt es auf den Punkt: Das Leben der West Coastler war von jeher durch Härte gekennzeichnet. Wer dieser Erkenntnis Sinn einhauchen möchte, der braucht nur einen Tag in der als Freilichtmuseum angelegten, historischen Stadt zu verbringen und schon bald entsteht in kontrastreichen Facetten das von Entbehrungen gekennzeichnete Leben der Pioniere Neuseelands. Shantytown ist eine Touristenattraktion am südlichen Rand des Westküstenstädtchens Greymouth. An diesem Ort befand sich vor gut 130 Jahren tatsächlich eine Ansammlung von provisorischen Hütten, in denen Holzfäller und Goldschürfer hausten. Die Armseligkeit der Siedlung wird durch den historisch überlieferten Namen "Shantytown", was soviel wie "schäbig" bedeutet, dokumentiert. Heutzutage besteht die Vorzeigestadt Shantytown aus schmucken Bauwerken, Häusern und Maschinen aus der Zeit um 1900. Die Häuser, Maschinen und alle Exponate wurden in liebevoller Kleinarbeit in der gesamten Westküste zusammengetragen.

Shantytown-Foto: Der kleine Goldgräber-Ort hat sich zu einem Museum verwandelt, das täglich zu neuem Leben erwacht

Ein riesiges Wasserrad empfängt alle Besucher am Eingang zur Stadt. Die schiere Kraft, die es durch seine Größe symbolisiert, und die die Menschen gechickt zu nutzen verstanden, lassen uns ehrfürchtig erstarren. Für uns ist es unvorstellbar, wie die Siedler solch ein schweres Ding aufrichten konnten, geschweige denn die Raffinesse fanden, den massiven Wasserstrahl geschickt umzuleiten, um so die enorme Wasserkraft zu erzeugen, die sie brauchten. Das Wasserrad zeigt anschaulich die Zeit und Mühe, aber auch das Risiko, das allen Errungenschaften dieser Zeit innewohnte. Gleich darauf zieht das ohrenbetäubende Tuten der Dampfeisenbahn unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die Dampflok "Gertie" mit ihrem hübschen dunkelgrünen Anstrich mit Goldrändern kommt direkt vor uns zum Stehen und lädt uns dampfend und zischend zu einer Spazierfahrt ein. Obwohl die alte Lady des Typs L508 aus dem Jahre 1877 stammt, ist sie blendend in Schuß. Nur zehn dieser Dampfloks wurden in England für die NZ Railway angefertigt, wo sie seitdem gehegt und gepflegt wird. Die Fahrt mit der Dampflok führt uns zur alten Sägemühle, wo wir die Kunst der Holzverarbeitung kennenlernen. Der Job gehörte seinerzeit zu den gefährlichsten, bei dem nicht selten Arbeiter ums Leben kamen, unter ihnen auch Kinder von gerade mal 12 Jahren.

Shantytown-Foto: Funktionstüchtige Dampfmaschinen und anderes historisches Gerät beeindrucken die Besucher von Shantytown täglich aufs Neue


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Last updated 7 November 2016


Shantytown-Foto: Der Eingang zu Shantytown ist nicht zu verfehlen

Ein kurzer Spaziergang führt uns zurück in das idyllische Städtchen. Heute gehört das Krankenhaus mit all seinen altertümlich anmutenden Gerätschaften zum Highlight der kleinen Stadt, aber ich wage zu bezweifeln, dass es bereits früher Teil der Stadt war. Weitere Geschäfte beinhalten eine Bank, einen Barbier, einen Hufschmied, ein Schuhladen und natürlich - last not least - der Pub! Von den Westernklängen magisch angezogen, stoßen wir wie im Film die Salontür auf und sehen begeistert zu, wie sich andere Besucher historische Kleider anziehen und sich lässig mit einem Drink in der Hand fotografieren lassen - das wollen wir auch! Vom Pub führt uns der Weg - wie so manch anderen vor uns - direkt ins Gefängnis, allerdings gehen wir nur zum Gucken hin. Hier wird die haarsträubende Geschichte einer kriminellen Bande erzählt, die den Goldschürfern das hart erarbeitete Geld wieder abnahm. Natürlich kamen diese Schurken aus Australien, wohin - wie jeder in Neuseeland weiß - England seine Schwerverbrecher verbannte…

Der Besuch in Shantytown lehrt uns, dass die Westküste nicht immer dieser zeitlose und relaxte Ort war, der er heute zu sein scheint. Die Geschichte des Goldrausches machte die Westküste zu einem der quirligsten Gebiete Neuseelands! Das Gold brachte Menschen aus der ganzen Welt nach Neuseeland. In Chinatown erfahren wir mehr über die Chinesen, die hierher kamen, um ihr Glück zu finden. Einige kehrten als reiche Leute in ihre Heimat zurück, doch die meisten verdienten nicht genug Geld, um ihre Rückfahrt zu bezahlen und verbrachten ihr ganzes Leben in Neuseeland. Die Chinesen brachten Heilpflanzen, eigene Gemüsearten und die Gewohnheit, Opium zu rauchen mit nach Neuseeland, womit sie dem tristen Leben einige Farbtupfer einhauchten. Natürlich kommen viele Besucher nach Shantytown, um selbst nach Gold zu schürfen, was hier besonders lohnenswert ist. Die meisten Neuseelandreisenden haben keine Ahnung davon, dass auch heute noch Gold an der Westküste Neuseelands gefunden wird. Hier in Shantytown wird dem Glück etwas nachgeholfen. Wir können es kaum glauben, als wir es golden in der Pfanne blitzen sehen und empfinden eine mehr als kindliche Freude, während wir versuchen, das Gold aus dem Dreck zu waschen… Um ein Haar hätte auch uns der Goldrausch erfaßt, nur das unüberhörbare Zeichen zum Aufbruch rettet unsere Seele vor Schlimmerem… Doch der Entschluß steht fest: wir kommen wieder! Tina Hartung