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Gute Zeit für Einwanderungs-Kontake?
Weihnachten im Sommer hat seine Reize für manchen Nordeuropäer und ist folglich für viele Deutsche eine beliebte Zeit für einen Neuseelandurlaub. Manch einer wird die Zeit nutzen wollen, um sich Neuseeland auch mal als Einwanderungsland unter die Lupe zu nehmen.
Ob man in Neuseeland natürlich langfristig glücklich wird, lässt sich nicht so schnell und leicht im Urlaub feststellen - dazu ist die Zeit zu kurz. Trotzdem kann man aber Eindrücke gewinnen, die einem die Entscheidung pro oder contra Auswanderung nach Neuseeland leichter machen. Und man kann unter Umständen auch schon die ersten Schritte einleiten.
Als erstes stellt sich die Frage, wo will man sich niederlassen? Es gibt die unterschiedlichsten Entscheidungskriterien - jeder Einwanderer hat seine eigenen persönlichen Präferenzen. Sehr häufig entscheidet sich das "Wo" jedoch anhand von drei Kriterien: Klima, Grundstückspreise und Beruf.
Klimatisch hat Neuseeland eigentlich alles zu bieten, von subtropisch warm im hohen Norden bis zum vergleichsweise kühlen Wetter im Süden der Südinsel. Die beste Übersicht über die verschiedenen Klimazonen findet man übrigens auf der Webpage von NIWA Science unter folgendem Link: http://www.niwascience.co.nz/edu/resources/climate/overview/
Das Klima wird nicht nur von der Nord-Süd-Lage bestimmt, sondern auch in großem Masse von der West-Ost-Lage. Grundsätzlich gilt, je weiter nördlich, desto wärmer, und je weiter westlich, desto mehr Regen. Aufgrund der vielen Berge gibt es aber auch viele Mini-Klimazonen, die nicht in das grobe Raster passen. Klimatisch beliebt sind - auch bei den Kiwis - der Norden der Südinsel um Nelson und Blenheim, die Hawkes Bay, Bay of Plenty und Northland. Gemessen an nordeuropäischen Maßstäben ist das Wetter aber eigentlich überall besser.
Die Beliebtheit bei Einwanderern wie bei Kiwis hat in manchen Gegenden zu einem lokalen property boom geführt, was die Hauspreise in die Höhe getrieben hat. In Nelson z.B. waren in den letzten Jahren Wertsteigerungen von 40% oder mehr zu verzeichnen. Wohnen ist in Neuseeland ohnehin, gemessen an den Gehältern hier, relativ teuer, weil die Hypothekenzinsen hoch sind. Das macht sich nicht nur bei der Finanzierung eines Hauses bemerkbar, sondern auch bei den Mieten. Wer daher genug Kapital mitbringt, um sich hier ein Haus kaufen zu können, der hat den größten Kostenfaktor in Neuseeland ausgeschaltet. Manch einer wird sich daher statt für Sonne lieber für ein eigenes und unverschuldetes Zuhause entscheiden.
Grundstückspreise sind regional sehr unterschiedlich. In Invercargill, im Süden der Südinsel, zahlt man ungefähr NZ$ 120.000 für ein Haus, das in Queenstown cirka NZ$ 400.000 kosten würde. Ähnliches gilt für das Verhältnis zwischen Wanganui (der billigsten Provinzmetropole auf der Nordinsel) und Auckland.
Aber sollte man sich nicht da niederlassen, wo man einen Job findet? Und findet man Jobs nicht am leichtesten in den Metropolen, insbesondere in Auckland? Da gibt es doch die meisten Menschen und folglich auch die meisten Möglichkeiten. Das Problem ist bloß, dass alle so denken, folglich gibt es in Auckland die meisten Einwanderer, weil alle von den guten Möglichkeiten dort überzeugt sind. Das hat auch die Einwanderungsbehörde erkannt und vergibt deswegen Bonuspunkte für Arbeitsstellen außerhalb Aucklands.
In den Metropolen ist man einer von vielen und fällt als Neuankömmling kaum auf. Auffallen will man aber, schließlich braucht man ja einen Job! Oft ist es daher einfacher, in einer Provinzstadt einen Job zu finden. Dort kennt einen schnell jeder, alle sind neugierig und wollen in der Regel auch helfen. Ach ja, und die Hauspreise sind da ja auch billiger!
Während des Urlaubs lohnt es sich unter Umständen in die Zeitungen und ins Internet zu schauen, um den Arbeitsmarkt zu studieren. Zwar wird geschätzt, dass rund 70% der Stellen nicht ausgeschrieben, sondern über Kontakte besetzt werden - da einem als Urlauber aber meist die Kontakte fehlen, bleibt eben nur der Weg über die Anzeigen. Man findet Annoncen sowohl direkt vom Arbeitgeber, als auch von so genannten Recruitment Companies - Personalbeschaffungsfirmen, die vom Arbeitgeber dafür engagiert und bezahlt werden, offene Stellen zu besetzen.
Größere Firmen engagieren in der Regel Recruitment Companies, die das komplette Bewerbungsverfahren, inklusive der ersten Interviews, übernehmen. Kleinere Betriebe, die für Einwanderer aber auch sehr interessant sind, leisten sich allerdings nur selten eine teure Recruitment Firma.
Es liegt im Interesse der Recruitment Firmen, möglichst viele Arbeitssuchende auf ihrer Liste zu haben, um bei Anfragen von Kunden möglichst schnell reagieren zu können. Dieses Interesse wird von manchem unerfahrenen Einwanderer leicht als Bestätigung, dass man auch einen Job finden werde, interpretiert. Tatsache ist leider, dass man ohne Arbeitserlaubnis in Neuseeland über die Recruitment Firmen nur schwer Arbeit findet. Zu ungewiss ist da der Ausgang und die Dauer der diversen Antragsverfahren - schließlich steht die eigene Provision ja auf dem Spiel!
Trotzdem lohnt es sich, mit den Vermittlern in Kontakt zu treten. Man lernt dabei eine Menge über die Bedürfnisse des neuseeländischen Arbeitsmarktes - es kostet ja nichts! Wenn der Arbeitgeber direkt annonciert, sollte man sich nicht scheuen, anzurufen oder einfach vorbeizugehen. So lernt man am schnellsten, worauf es den Abeitgebern hier ankommt.
Einziger Nachteil der Weihnachtszeit ist aller-dings, dass viele Firmen einfach geschlossen sind, schließlich sind die großen Sommerferien hier zwischen 18. Dezember und 15. Januar! Aber vielleicht reicht Ihr Urlaub ja über diese Termine hinaus!
Aktuelle Tipps vom NN-Immigrations-Experten
Es scheint keine Woche zu vergehen, in der nicht eine Familie im Fernsehen auswandert. Insbesondere die privaten Sender scheinen sich um Familien zu reißen, die bereit sind, sich bei ihrem Abenteuer filmen zu lassen. Kabel 1, Pro7, SAT und RTL - alle haben Sie schon angefragt. Haben Sie nicht Kunden, die sich bei der Auswanderung filmen lassen wollen? Wer bei Google "Auswandern nach Neuseeland" eingibt, wird gleich mit einer Anzeige von Janus TV gelockt: "Sie wollen auswandern? TV-Produktionsfirma sucht Menschen mit konkreten Auswanderungsplänen!"
Seit der Titelgeschichte "Der Traum vom Auswandern" im Stern im Jahre 2003 (http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/?id=507260&eid=507274&nv=ct_cb) ist das Interesse in den Medien an Auswanderungsthe-men nicht abgebrochen. Der Deutschlandfrust ist groß genug, um Scharen vor die Glotze zu treiben, wo dann wildfremde Menschen dabei gefilmt werden, wie sie ihr Hab und Gut in Kisten packen, dann in den Container, ins Flugzeug steigen, am anderen Ende ankommen, Auto kaufen, Haus beziehen und anfangen zu arbeiten.
So jedenfalls kann ich die Sendung zusammenfassen, bei der ich als Einwanderungsberater einen kurzen Auftritt hatte. Ob andere Sendungen ähnlich sind oder ob es da spannender zugeht, kann ich mangels deutschen Fernsehempfangs nicht beurteilen, aber ich vermute mal, ja! Ach ja, natürlich wurde auch die Frage gestellt, wie man sich denn fühle und Abschiedstränen bei Freunden und Verwandten (surprise, surprise…) wurden auch gezeigt.
Ob der Deutschlandfrust auch groß genug ist, um selber den Schritt in die Ferne zu wagen, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Aber vielleicht entwickelt ja das Fernsehen seine ganz eigene Dynamik, und zwar sowohl bei den Protagonisten im Fernsehen, als auch bei den Zuschauern.
Die Auswanderer vor der Kamera können durch das Fernsehen leicht den Fokus verlieren. Das Fernsehen und der ganze damit verbundene Trubel kann leicht vom eigentlichen Thema - der Auswanderung - ablenken. Auf einmal ist der Sendetermin wichtiger, als die zeitliche Koordinierung der einzelnen Auswanderungs-schritte. Ich werde auch den Verdacht nicht los, dass manch einer (ob bewusst oder unterbewusst) der Illusion erliegt, wenn das Fernsehen dabei ist, dann kann schon nichts schief gehen - als ob ein happy end im Drehbuch festgelegt wäre.
Viele Zuschauer fühlen sich durch die Auswanderungsgeschichten im Fernsehen ermutigt - nach dem Motto, wenn der Junge das hinkriegt, ohne ein Wort Englisch zu sprechen, dann kriege ich das erst recht hin! Das kann richtig sein, muss aber nicht! Erfolgreiches Auswandern wird nicht daran gemessen, ob man am Anfang Sprachschwierigkeiten hatte, ob der Container rechtzeitig angekommen ist oder ob man gleich einen Job gefunden hat. Nein, ob eine Einwanderung erfolgreich ist, lässt sich erst beantworten, wenn man auch nach Jahren noch glücklich in seiner neuen Heimat lebt. Ob die erste Unterkunft kalt war und die Kinder müde nach der langen Reise, ist dann nicht mehr wichtig!
Denen, die die Sendung auf Kabel 1 mit der jungen Familie aus Berlin gesehen haben, sei folgende Fortsetzung der Geschichte gegönnt: Dirk arbeitet immer noch als Klempner, sein Vertrag wurde ge-rade verlängert. Die mangelnden Sprachkenntnisse waren sicher ein großes Handikap am Anfang, inzwischen hat er aber dazu gelernt, und findet sich in seinem Arbeitsumfeld zurecht. Der Container ist nicht pünktlich angekommen, die Eltern waren schon zu Besuch und Genia und die Kinder haben sich gut eingelebt, soweit man das nach ein paar Monaten sagen kann.
Fernsehen hin oder her - eine Einwanderung nach Neuseeland ist ein Sprung ins kalte Wasser. Gute Vorbereitung hilft, kann aber nicht davon ablenken, dass man irgendwann alleine anfangen muss zu schwimmen.
Nützliche Tipps vom NN-Auswanderungs-Experten
Seit 1987 werden Einwanderungsaspiranten nach einem Punktesystem bewertet, das vom Prinzip her unverändert geblieben ist. Einwanderungswillige werden je nach Alter, Beruf und Ausbildung ausgewählt. Über die Jahre wurden die Bewertungskriterien allerdings regelmäßig an die gerade vorherrschenden Bedürfnisse angepasst - oder zynischer formuliert, das Rad wurde alle Jahre wieder neu erfunden.
Dabei hat sich, ohne dass dies von den Erfindern jemals beabsichtigt worden wäre, ein gewisser Zyklus entwickelt. Der Zyklus sieht wie folgt aus: Geleitet vom Wunschdenken der Bürokraten, wird die Punktezahl, die erforderlich ist, um sich für den Residence Permit zu qualifizieren (früher nannte man das die pass mark, heute ist es der selection point), zunächst sehr hoch angesetzt. Man hat sich ja gerade ein wunderbares Prinzip ausgedacht, um die Fähigsten und Begabtesten auszuwählen, von denen ja - und hier hat das Wunschdenken wieder Überhand genommen - die meisten unbedingt nach Neuseeland auswandern wollen…
Nach einer Weile stellt sich heraus, dass dem nicht so ist, denn die Zahl der Einwanderer geht merklich zurück. Zunächst zögerlich und bald rasant wird die Punktezahl dann nach unten korrigiert, und zwar genau auf die vorher gesetzlich festgelegte absolute Mindestpunktezahl. Auf diesem tiefsten Level bleibt die pass mark dann eine ganze Weile, bis es sich unter den Auswanderungswilligen in aller Welt langsam herumspricht, dass man wieder nach Neuseeland auswandern kann. Es kommen immer mehr Einwanderer nach Neuseeland, so dass die Punkte langsam aber stetig wieder nach oben gehen. Die aufsteigende Kurve ist zwar nicht geradlinig, aber die Tendenz ist eindeutig steigend. Etwas zeitlich zurück versetzt (aufgrund der Dauer des Einwanderungsverfahrens) steigen auch die Einwanderungszahlen, bis dann irgendwann (meist kurz vor den Wahlen) die Stimmen sich häufen, dass zu viele Einwanderer nach Neuseeland hereingelassen werden. Zeit also, für eine Überholung des gerade geltenden Punktesystems! Da ja zu viele reinkommen wird die Latte natürlich beim neuen System sehr hoch angesetzt. Der Zyklus beginnt wieder von vorne…
Genauso ist es bei der zurzeit geltenden Skilled Migrant Category. Angefangen hat es im Februar 2004 bei 195 Punkten. Innerhalb von 6 Monaten ging es dann auf 100 Punkte herunter, dem gesetzlich vorgeschriebenen untersten Level. Über ein Jahr blieb es dabei, dann wurde es Anfang 2006 Zeit, die Latte höher zu legen, und zwar auf 140 Punkte -also alle, die mehr als 140 Punkte erzielen, qualifizieren sich für den Residence Permit. Aber - und das ist etwas ganz Neues - einige dürfen auch unter der Latte durchschlüpfen! Zu den Bevorzugten kann man gehören, wenn man einen Job in Neuseeland nachweisen kann oder wenn man Berufserfahrung oder eine Ausbildung in Berufen hat, die hier gesucht werden. Genauer kann man dazu in einem Artikel nicht Stellung nehmen, denn es besteht die ernsthafte Gefahr, dass sich im Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels wieder alles geändert hat.
Alle zwei Wochen wird nämlich neu entschieden, wer reinkommen darf und wer nicht. Antragsteller müssen online ihre Daten in ein Formular eintragen. Die Daten bleiben dann 6 Monate lang in einem Pool, aus dem alle zwei Wochen die besten Bewerber ausgewählt werden. Hinterher erfährt man dann anhand welcher Kriterien ausgewählt wurde. Das ganze Verfahren nennt sich Expression of Interest.
Ein Beispiel aus der Praxis: Vor ein paar Wochen habe ich einem IT-Spezialisten aus Österreich empfohlen, das Einwanderungsverfahren anzugehen, da er bei den letzten Ziehungen ausgewählt worden wäre. In der, seiner Expression of Interest folgenden, Ziehung war er dann aber nicht unter den Auserkorenen. Wir vereinbarten einen Telefontermin, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Am Tag nach dem Gespräch fand die nächste Ziehung statt. Diesmal war er unter den Glücklichen, die ausgewählt wurden…
Hier sind die Auswahlkriterien im Originalton (unser Österreicher fiel unter Punkt 3):
A selection of Expressions of Interest (EOI) under the Skilled Migrant Category took place on 7 June 2006. The following EOIs were selected: 1. All EOIs at or above 140 points = 220 EOIs (488 registrants); and 2. All EOIs with a job or job offer claiming total points between 100 and 135 points = 55 EOIs (134 registrants); and 3. All EOIs claiming 15 points for work experience in an area of absolute Skill shortage and with a points total between 100 and 135 points = 71 EOIs (218 registrants); and 4. All EOIs claiming 10 points for work experience in an area of absolute Skill shortage and with a points total between 100 and 135 points = 66 EOIs (136 registrants); and 5. All EOIs claiming 10 points for a qualification in an area of absolute Skill shortage and with a points total between 100 and 135 points = 159 EOIs (315 registrants); and 6. All EOIs between 120 and 135 points where there is no points claim for a job or job offer, work experience in an area of absolute Skill shortage or qualification in an area of absolute Skill shortage. These were ranked in descending order of points = 47 EOIs (150 registrants).
Am Bezeichnendsten finde ich das letzte Kriterium, das ich frei so übersetzen würde: "Alle Bewerber, die eigentlich unsere (Neuseelands) Auswahlkriterien nicht erfüllen, werden trotzdem genommen, wenn wir gerade glauben, mehr Einwanderer zu brauchen. Wir suchen uns dann die besten aus."
Das Expression of Interest Verfahren, ist also nichts anderes als ein Quoten Management System. Auf der einen Seite wird die Werbetrommel gerührt: liebe IT-Spezialisten und Handwerker, kommt nach Neuseeland, hier werdet Ihr gebraucht, auf der anderen Seite wird diesen doch so begehrten Leuten keine Planungssicherheit gegeben. Man muss sich also erst entschließen, nach Neuseeland auszuwandern, bevor man überhaupt weiß, ob man hier willkommen ist.
Vielleicht ist dies ja das Ende vom oben beschriebenen Zyklus! Eigentlich sind wir jetzt in der Phase, wo der selection point langsam ansteigen sollte. Stattdessen wird die Latte künstlich höher gesetzt, als eigentlich nötig, während man sich die Option offen lässt, Kandidaten gezielt rauszupicken, die man gerade meint, zu brauchen. Hinterher teilt man dann offiziell mit, nach welchen Kriterien man sich die Rosinen rausgepickt hat. Da scheint mir die relative Planungssicherheit der zwar steigenden, aber dennoch berechenbaren pass mark attraktiver! Im nächsten Artikel an gleicher Stelle werden Fallbeispiele gebildet, in einem Versuch, Einwanderungsaspiranten eine gewisse Planungs-sicherheit gewähren zu können.
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Last updated 8 October 2008
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Die Artikel stammen von Peter Hahn, einem ehemaligen Rechtsanwalt aus Berlin, der seit 15 Jahren in Wellington lebt und dort unter der Firma Hahn & Associates Ltd deutsche Einwanderer und Geschäftsleute berät. Detailliertere Auskünfte gibt es online: Auswandern mit Peter Hahn >
Hilfreiche Tipps
Die wenigsten Neuseeland-Einwanderer haben das Ziel, den Residence Permit (unbeschränkte Daueraufenthaltserlaubnis), ohne den Nachweis eines Jobs in Neuseeland erreicht. Die Frage, an der kaum ein Einwanderer vorbeikommt, ist daher, wie finde ich einen Job am anderen Ende der Welt?
Im heutigen, über das Internet verkabelten Zeitalter sollte das doch nicht so schwierig sein! Schließlich kann man doch die Jobanzeigen jeder Tageszeitung aus Neuseeland übers Internet einsehen. Außerdem gibt es etliche Webseiten, die sich auf die Jobsuche spezialisiert haben, sogar meist sortiert nach Berufssparten. Und hat Neuseeland mit einer in den letzten Jahren zwischen drei und vier Prozent schwankenden Arbeitslosenquote nicht nahezu Vollbeschäftigung? Da muss es doch möglich sein, als gut ausgebildeter Deutscher einen Arbeitgeber zu finden?
Einwanderungsbehörde umbenannt
Dafür scheint ja auch zu sprechen, dass neuseeländische Organisationen, unter anderem die neuseeländische Einwanderungsbehörde, mit deutschen Organisationen, wie zum Beispiel der ZAV (Zentralstelle für Arbeitsvermittlung) zusammenarbeiten, um deutsche Arbeitskräfte für bedürftige neuseeländische Arbeitgeber zu finden. Der New Zealand Immigration Service, wie die neuseeländische Einwanderungsbehörde bis vor kurzem hieß, ist so von sich und seiner neuen Mission überzeugt, dass er sich jetzt - sehr viel dynamischer - Immigration New Zealand nennt.
Die Mission lautet, gut ausgebildete und talentierte Arbeitskräfte aus aller Welt aktiv zu suchen (und zu finden), um die so genannten “skill shortages” (Fachkraft-Defizite) in Neuseeland zu füllen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den neuseeländischen Medien nicht über “skill shortages” lamentiert wird. Einziger Hemmschuh für nimmer endendes Wachstum der neuseeländischen Wirtschaft scheint der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu sein. Da mag man einem deutschen Programmierer die Naivität verzeihen, wenn er daraufhin voller guter Hoffnungen nach Neuseeland fliegt, um hier in einem Kurzurlaub einen Job an Land zu ziehen. Es gibt viele Gründe, warum ein solches Unterfangen in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt ist. Bevor ich darauf näher eingehe, sei kurz angemerkt, dass so was natürlich auch klappen kann - gehört habe ich schon davon - aber man hört ja auch jede Woche von Leuten, die Millionen im Lotto gewinnen…
Wo liegen die Probleme?
-Potentielle Arbeitgeber berücksichtigen nur neuseeländische Bewerber oder solche, die bereits einen Residence Permit haben. Sie schrecken einfach vor dem Papierkram und der Ungewissheit zurück.
- Es werden nur Jobs angeboten, die sich nicht für Einwanderungszwecke eignen. Das kommt im IT-Bereich, um beim Beispiel des Programmierers zu bleiben, nicht selten vor. Der Arbeitgeber hat zwar Arbeit, allerdings nur für ein zeitlich begrenztes Projekt. Solche zeitlich begrenzten Projekte befriedigt Immigration New Zealand leider nur in den seltensten Fällen.
- Der Arbeitgeber will nur so genannte Contractor (Freiberufler) verpflichten, um arbeitsrechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen.
- Der Arbeitgeber kann sich nicht leisten, jemanden Vollzeit einzustellen. Bei den vielen kleinen Unternehmen hier (85% aller Unternehmen in Neuseeland haben weniger als 5 Angestellte) ein nicht ungewöhnliches Phänomen.
Überwindung von Problemen
Am einfachsten haben es die, die auch ohne Job die Aufenthaltserlaubnis bekommen. Das ist zum Beispiel bei Programmierern theoretisch möglich und sollte auf jeden Fall geprüft werden. Wer das nicht schafft, sollte wenigstens soweit vorbereitet sein, dass der "Papierkram" möglichst schnell und reibungslos abgewickelt werden kann.
Die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben Einwanderer mit handwerklichen Qualifikationen. In dem Bereich scheinen die Bedürfnisse am größten zu sein und Arbeitgeber sehen oft sogar über sprachliche Schwierigkeiten hinweg. Die meisten Jobs werden in Neuseeland über Kontakte und Beziehungen vermittelt. Nur circa 30% der Stellen werden tatsächlich ausgeschrieben. Es lohnt sich also auf jeden Fall die paar wenigen Kontakte, die man zum Beispiel im Urlaub oder durch eigene geschäftliche Tätigkeiten geknüpft hat, anzugehen. Das ist auf jeden Fall Erfolg versprechender, als Lebensläufe auf Annoncen hin zu verschicken.
Aber lassen Sie sich trotzdem nicht entmutigen, im Internet Ihr mögliches Glück zu finden! Sie werden doch immerhin eine Menge über den neuseeländischen Arbeitsmarkt lernen - eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich auszuwandern. Scheuen Sie nicht den Telefonanruf beim potenziellen Arbeitgeber oder bei der Personalagentur. Die wenigsten Neuseeländer sind einem Gespräch mit einem Kollegen vom anderen Ende der Welt abgeneigt.
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