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NEUSEELAND DAMALS UND HEUTE: TÄTOWIERUNGEN SIND GEFRAGT

Tattoo-Museum Wellington

Fast jeder, der schon einmal in Neuseeland war, kennt sie: Mokos, so genannte Gesichtstätowierungen der Maori, der Ureinwohner des Landes. Egal ob auf der Queenstreet in Auckland oder als Foto eines Maori-Häuplings im Museum, Ta Moko ist und war Bestandteil der Maori-Kultur, damals wie heute. Doch woher kommt das Tätowieren, was bedeutet es und wie wird es auf die Haut gezeichnet, damit es ein Leben lang hält?

Das nationale Tattoomuseum in Wellington hat jetzt seine Pforten, umsäumt von holzgeschnitzten Maori-Skulpturen, wiederereöffnet. "Der interessierte Besucher kann hier mit Hilfe von Gemälden, Fotos und Videos jede Menge über Historik und Modernde der Maori-Tattoos lernen", erklärt Steve Maddock, Museumsdirektor und selbst Tätowierer. Das Wort "Tattoo" kommt eigentlich von dem in Tahiti gesprochenen Wort "tatau". Captain James Cook benutzte das Wort "tattow" das erste Mal, nachdem er 1769 Zeuge einer Tätowier-Zeremonie auf Tahihi wurde. Nach der Mythologie der Maori begann das Tätowieren mit einer Liebesaffaire zwischen einem Mann namens Mataora und der jungen Prinzessin Niwareka aus der Unterwelt. Mataora verlor nach einem Kampf mit ihr sein Herz an die Prinzessin und eilte ihr hinterher. Nach mehreren Kämpfen auf der monatelangen Reise, erreichte er mit verdrecktem Gesicht die Unterwelt. Er bat um Vergebung und die Prinzessin akzeptierte die Entschuldigung. Doch der König und Vater war derart über Mataoras dreckiges Aussehen belustigt, dass er den beiden, bevor sie gemeinsam in die Welt zurückkehrten, die Kunst der ästhetischen Mokos lehrte.

Foto: Steve Maddock, Museumsdirektor und Tätowierer.

Nach archäologischen Recherchen stammt das Tätowieren in Neuseeland von der östlich-polynesischen Kultur ab. Dort fand man weit vorher Funde von verschiedenen, aus Knochen hergestellten Meißeln, die zum Tätowieren verwendet wurden. In der Kultur der Maori war vor allem das Moko, das typische Gesichts-Tattoo individuell wie ein Pass. Es galt als ein Zeichen von Macht, Wissen, Grausamkeit, sozialem Status, Familienzugehörigkeit und Potenz. Das Tätowieren eines Mannes begann mit der Pubertät und umfasste zahlreiche Rituale. Es sollte den Kämpfer für Frauen attraktiver machen und stand für wichtige Phasen im Leben der Person. Während der schmerzhaften Prozedur des Meißelns auf der empfindlichen Gesichtshaut wurden Gedichte gesungen und Flötenmusik sollte helfen, die Schmerzen zu lindern. Für die nächsten Tage war es dem Tätowierten nur erlaubt, flüssige Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen, um die Infektionsgefahr der offenen und stark geschwollenen Haut zu verringern. Auch Maori Frauen wurden tätowiert. Hier beschränkten sich die Muster jedoch auf die Kinn-Region, das Umranden der Lippen und ein leichtes Hervorheben der Nasenlöcher. Das Kinn-Moko war derart populär, dass es sogar bis in die 70ger Jahre des 20. Jahrhunderts praktiziert wurde. Im Nationalen Tattoo Museum in Wellington können die Besucher ein Video ansehen, auf dem das Tätowieren einer 74 Jahre alten Maori-Frau zu sehen ist, die sich ihr Kinn-Moko auf die herkömmliche Art mit Meißeln nachbessern lässt.

Heute erlebt das Tätowieren in Neuseeland wieder eine Renaissance. Maori und Pakeha (Weiße) lassen sich wieder tätowieren - eine Art neue Mode. Denn sogar über die Grenzen Neuseelands hinaus erlangt die Kunst der Maori-Tattoos Interesse und Nachahmung. Eine regelrechte internationale Modeerscheinung sind die filigran geschwungenen Bogen und Linien auf der Haut geworden. Erst kürzlich hat sich Pop-Ikone und Frauenschwarm Robby Williams ein Maori-Tattoo auf den Arm stechen lassen. Das alljährliche Event "Bodyart Rocks" findet jedes Jahr im November im Tattoo Museum statt und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Regie wählt und prämiert die besten Tätowierungen. Nachdem Museumsdirektor Steve Maddock jahrelang erfolglos war, öffentliche Subventionen zu bekommen, finanziert sich das Museum nur durch die Eintrittsgelder und das Verlegen eines vierteljährlichen Hochglanz-Tattoo-Magazin, das derzeit in Vorbereitungen steckt. Anja Schönborn


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Last updated 17 February 2017


Modell einer "Ganzkörper"-Tätowierung

WO ZU FINDEN?
Wer selbst in die Welt der Tattoo-Kunst eintauchen möchte, findet das neu eröffnete Museum jetzt in dem als "Wellington Markets" bekannten Gebäudekomplex an der Ecke Taranaki und Cable Street, im 3. Stock (gegenüber des Te Papa Museums). Öffnungszeit: Dienstag - Samstag von 12 bis 17.30 h. Der Eintritt kostet 5 Dollar, ermäßigt 4 Dollar.

Kinn-Moko am Modell einer Maori-Frau